5 Mythen über Ritter und Waffen im Mittelalter

Viele kennen das Mittelalter aus Spielfilmen über diese Zeit. Dort messen sich zwei von Kopf bis Fuß gepanzerte Ritter im Turnier vor großem Publikum. Oder sie sind in lange Schwertkämpfe verwickelt, in denen sie Klinge gegen Klinge klirren lassen und sich gegenseitig auf die Schilde schlagen, dass es nur so kracht. Fünf der gängigen Mythen aus dem Bereich Ritter und Waffen möchte ich in diesem Artikel anlässlich meiner Recherchen zum England des 11. Jahrhunderts besprechen.

Mythos Nummer 1: Das Schwert war die bevorzugte Waffe eines Ritters.

FALSCH. Die Hauptwaffe von Angelsachsen und Normannen war der Speer, entweder geworfen oder von oben ins Gesicht, insbesondere die Augen, in den Hals oder Oberkörper gestochen. Ein Speer ging problemlos durch Schilde und Kettenhemd, hatte aber normalerweise eine Querstange unter der Spitze, um ein zu tiefes Eindringen zu verhindern. Speere, die in Schilden feststeckten, konnten den Schild derart unförmig werden lassen, dass dessen Träger ihn wegwarf, um ungehindert – und ungeschützt! – weiterkämpfen zu können.

Das Schwert wurde vor allem von normannischen Adligen (Reitern) getragen, aber erst gezogen, wenn der Speer kaputt oder verloren war. Allgemein schlug man mit dem Schwert von oben auf den Kopf, um Helm, Polsterung und den Schädel zu durchdringen – wobei man allerdings der Klinge nichts Gutes tat, da sie durch den Schlag auf Metall stumpf wurde. Gestoßen wurde mit dem Schwert normalerweise nur, um dem verwundeten Gegner den Todesstoß zu versetzen.

Mythos Nummer 2: Schwertkämpfer zielten im Kampf vor allem auf Schild, Schwert und den Helm des Gegners.

FALSCH. Das Parieren eines Schlags mit der Schwertschneide zerstört die Klinge, daher war diese Form der Verteidigung selten bzw. inexistent. Auch auf einen hölzernen Schild zu schlagen, war riskant, da das Schwert im Pappel- oder Lindenholz steckenbleiben konnte. Ein Schlag auf den Helm ist ebenso schlecht für die Klinge, auch wenn der Gegner vielleicht dadurch benommen ist, und auch Kettenhemden waren schwer zu durchtrennen.

Mythos Nummer 3: Gegen ein Schwert half keine Rüstung.

JEIN. Es ist fraglich, ob ein Schwert tatsächlich Kettenhemden und Rüstung durchdringen konnte. Sicher ist, dass das Gewicht einer Schwertschneide dazu ausreichte, um Knochen zu brechen und innere Organe zu zerstören. Einen ungeschützten Schädel konnte ein Schwert spalten, wobei das Opfer teilweise danach noch weiterleben konnte – Grabfunde mit nachgewachsenem Knochenmaterial beweisen dies.

Kettenhemd oder Rüstung halfen also zwar gegen offene Wunden, konnten aber keine innerlichen Verletzungen aufgrund von gezielten Schlägen verhindern. Gegen Erschütterungen und Aufprall trugen Ritter daher unter Kettenhemd und Rüstung eine zusätzliche Polsterung aus Wolle oder Vlies, die zwischen zwei Leinen-, Filz- oder Lederlagen eingebettet war.

Mythos Nummer 4: Ein Kettenhemd schützte seinen Träger zuverlässig.

FALSCH. Kettenhemden schützten vor den meisten Schneidwaffen, waren aber nutzlos gegen den Stoß mit einem Speer. Auch größere Scramasaxe, Schwerter mit einseitigen Klingen, mit ihrer nadelscharfen Spitze konnten ähnlich effektiv sein wie Speere, wenn ihr Besitzer mit ihnen zustieß. Ein einfacher Schlag von oben auf ein Kettenhemd würde statt offener Wunden eher Knochen brechen oder Blutergüsse hervorrufen, wogegen ohne Rüstung von einem Arm, Bein oder Hals nichts mehr zu retten wäre.

Mythos Nummer 5: Schwerter konnten zwar tödlich sein, aber die fürchterlichsten Verletzungen verursachten stumpfe Waffen wie Morgenstern oder Streitkolben. 

FALSCH. Die beidhändige Axt der Huscarles, der Elitesoldaten und Leibwächter Englands und Skandinaviens, die beim Kampf normalerweise ihren Schild auf dem Rücken hängen hatten, ging glatt durch Pferd und Reiter.

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