Staufer-Rundbild im Kloster Lorch

Pixabay.com (Public Domain CC0)

Mahlzeit: Zu Tisch im mittelalterlichen England

„Hallo, ich bin’s wieder, Roger aus Wilberfoss. Ich komme gerade vom Mittagessen und habe überlegt, was bei Euch wohl auf dem Teller kommt. Oder auf altes Brot, wenn Ihr vielleicht nicht zum Haushalt eines Lehnsherrn gehört.“

„Teller sind nämlich teuer und außerdem unpraktisch. Man muss sie nach dem Essen abwaschen oder zumindest auswischen. Eine harte Scheibe altes Brot dagegen ist eine wunderbare Unterlage für festes Essen. Außerdem kann man sie anschließend aufessen, den Armen geben oder den Hunden zum Fraß vorwerfen. Natürlich muss man damit warten, bis auch der Tischnachbar fertig ist, denn normalerweise teilt man sich mit ihm die Essunterlage und den hölzernen Becher zum Trinken.“

„Gegessen wird zumeist mit den Fingern. Die muss man vorher in einem kleinen Becken waschen, das ein Diener am Eingang bereithält. Zwischendrin oder nach dem Essen wischt man sich die Hände an der Kleidung ab.“

„Um Fleisch oder Obst kleinzuschneiden und aufzuspießen, benutzt man sein Messer; für Suppe natürlich einen Löffel. Den benutzt man immer wieder und behält ihn so lange man lebt. Erst wenn man stirbt, gibt man den Löffel ab.“

„Gabeln gibt es auch, aber nur die großen, zweizackigen Fleischgabeln zum Festhalten oder Auflegen der großen Fleischstücke. Unser Priester umfasst jedesmal sein Kruzifix, wenn das Gesinde mit so einer Gabel in seine Nähe kommt. Die Gabel, so sagt er, sei ein Werkzeug des Teufels, um Seelen für die Hölle einzufangen. Sein Gesicht und seine Haltung entspannen sich erst wieder, wenn die Gabeln aus seiner Reichweite sind.“

„Zu trinken gibt es Wein mit Wasser, manchmal auch Bier. Wenn ich nur unter Angelsachsen wäre, würden wir uns gegenseitig mit wæs hæl Gesundheit wünschen, wenn wir den Becher zum Trinken erheben, aber beim Essen am Hof sind zu viele Normannen anwesend. Also schweigen wir lieber.“

„Ich könnte Euch noch viel mehr erzählen, wie es bei unseren Mahlzeiten zugeht und was es an Essen und Trinken alles gibt, aber das würde verflucht lange dauern. Oje! Meine Mutter hört nicht gerne, wenn ich solche Wörter benutze. Warum, das muss ich Euch beim nächsten Mal erzählen.“

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