Kreatives Schreiben professionell – Teil 7: Formalitäten

Sprosse 7 der Autorenleiter: Formalitäten

In diesem siebten und letzten Beitrag der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen geht es um Formalitäten.

Endlich ist es soweit: Ihr Buch ist online oder gedruckt erschienen, und die ersten Verkäufe rollen ein. Spätestens jetzt sollten Sie über gewisse Formalitäten nachdenken, denn wenn Sie durch Buchverkäufe Einkommen erzielen, interessieren sich plötzlich viele öffentliche Institutionen für Sie, vor allem das Finanzamt, das Gewerbeamt, die Krankenkasse, die Rentenversicherung und die Sozialversicherung.

Haftungsausschluss: Die folgenden Angaben sind keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung, sondern sollen Hobbyautoren einen Überblick über gesetzliche Vorschriften und Notwendigkeiten  geben. Wer sich keinen Steuerberater und Rechtsanwalt leisten kann, dem soll es mit den folgenden Informationen möglich sein, die anfänglichen Verwaltungshürden zu nehmen, bis genügend Geld fließt, um diese Arbeiten an entsprechend geschultes Personal auszulagern.

Wenn Sie an dieser Stelle der Artikelserie angekommen sind, haben Sie ein gewaltiges Stück Arbeit geleistet. Sie haben einen Roman komplett zuendegeschrieben, mithilfe von Testlesern überarbeitet, sich für eine Veröffentlichungsart entschieden, Ihr Manuskript mit all seinen Begleittexten in die Welt hinausgeschickt, erfolgreich als e-Book und/oder gedrucktes Exemplar veröffentlicht, die Vermarktung Ihres Buches offline und online in Angriff genommen. Bravo! Klopfen Sie sich auf die Schulter und feiern Sie!

Das Buch ist da, die Verkaufszahlen steigen – was jetzt?

Wie unser Navi so schön sagt: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Glückwunsch! Sie sind jetzt offiziell Autorin – und damit einkommenssteuer- und versicherungspflichtig. Aber keine Panik! Der Verwaltungsaufwand hält sich in Grenzen.

Folgendes ist zu tun:

  1. Einkommen versteuern

Sowohl Selfpublisher als auch Verlagsautoren müssen ihren Verdienst aus Buchverkäufen nach Ende des Jahres in der Einkommenssteuererklärung in der Anlage S für Selbständige Einkünfte angeben. Selfpublisher müssen getrennt von ihren freiberuflichen Einnahmen noch Anlage G für gewerbliche Einkünfte (etwa Einkommen aus Affiliate Links oder selbst (also nicht über einen Verlag oder eine Plattform wie amazon) verkaufte Bücher) eintragen.

Warum ein Extraformular für Selfpublisher? Weil es sich beim Selfpublishing nicht mehr um eine freiberufliche, sondern um eine unternehmerische Tätigkeit handelt, für die Sie einen Gewerbeschein brauchen. Dieser kostet je nach Wohnort unterschiedlich viel, generell zwischen 10 und 60 Euro.

Kia Kahawa hat eine Artikelserie über Steuerfragen für Autoren geschrieben: https://www.kiakahawa.de/blog/autoren-an-die-steuer/. Wie die Steuererklärung für nebenberufliche Autoren aussieht, erklärt sie hier.

  1. Meldung als Freiberufler

Den dafür notwendigen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung können Sie online auf der Seite des Bundesfinanzministeriums ohne Registrierung oder aber als registrierter Benutzer auf elster.de ausfüllen.

  1. Gewerbeanmeldung

Diese können Sie in manchen Großstädten online machen. Normalerweise erscheinen Sie dazu aber persönlich beim zuständigen Gewerbeamt, das je nach Stadt auch im Bürgerbüro oder Landratsamt zu finden sein kann. Auf gewerbeanmeldung.de können Sie Ihr zuständiges Gewerbeamt suchen.

Vor- und Nachteile einer Gewerbeanmeldung bespricht Annika Bühnemann: https://www.vomschreibenleben.de/wann-muss-ich-ein-gewerbe-anmelden/

  1. Überlegungen zur Umsatzsteuer

Wenn Sie Ihre Selbständigkeit beim Finanzamt bzw. beim Gewerbeamt anmelden, müssen Sie sich entscheiden, ob Sie als Kleinunternehmerin agieren oder Umsatzsteuer zahlen möchten.

Achtung: Die Entscheidung fürs Kleinunternehmertum ist 5 Jahre bindend und kann in diesem Zeitraum nicht geändert werden.

Was spielt das für eine Rolle? Wenn Ihr jährlicher Umsatz – nicht Gewinn – weniger als 17.500 Euro beträgt, können Sie sich als Kleinunternehmerin registrieren und müssen sich dadurch nicht um Umsatzsteuervoranmeldung und regelmäßige Steuerzahlungen kümmern. Das erleichtert die Bürokratie, hat aber andererseits den Nachteil, dass Sie keine Vorsteuer abziehen können. Als Kleinunternehmer bezahlen Sie für alles, was Sie kaufen, den vollen Preis und dürfen auch keine Mehrwertsteuer ausweisen, wenn Sie selbst etwas verkaufen.

Wenn Sie beispielsweise kurz davor sind, sich einen neuen Rechner anzuschaffen oder eine teure Fortbildung zu belegen, könnten Sie durch den Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung die Mehrwertsteuer vom Kaufpreis abziehen und nur den Nettopreis zahlen. Auch auf Ihre eigenen Produkte, etwa einen Schreibkurs, den Sie anbieten, könnten Sie Mehrwertsteuer erheben – die Sie allerdings später ans Finanzamt abführen müssen.

Auf kleinunternehmer.de sind die Vor- und Nachteile der Kleinunternehmerregelung noch einmal genauer erläutert. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit einem Steuerberater!

  1. Überprüfen der Krankenversicherung

Hier hängt die Lösung im Einzelfall davon ab, wie Sie krankenversichert sind: gesetzlich oder privat bzw. selbst oder über Ihren Partner (Familienversicherung). Sprechen Sie daher mit Ihrer Krankenkasse, um herauszufinden, ob sich an Ihrem Versicherungsstatus durch Ihre freiberufliche Tätigkeit etwas ändert.

Tipp: Bei einem regelmäßigen monatlichen Einkommen bis maximal 445 Euro (2019; Quelle: krankenkassenzentrale.de) können Sie sich über die Familienversicherung kostenlos mitversichern.

Weitere Informationen zur Krankenversicherung für Selbständige finden Sie hier:

Für Selbständige, die sich selbst versichern wollen/müssen

Für nebenberuflich oder geringfügig Selbständige, die über die Familienversicherung abgesichert sind, geben Krankenkassenzentrale.de und die Verbraucherzentrale Auskunft.

Tipp: Wenn Sie mehr als 3.900 Euro jährliches Einkommen erzielen (Stand: März 2019), haben Sie als freiberufliche Autorin die Möglichkeit, in die Künstlersozialkasse (KSK) einzutreten und so die Beiträge zu Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung zu halbieren. Voraussetzungen, Leistungen und das Antragsformular finden Sie auf der Website. 

  1. Sonstige Aufgaben, die Sie nach der Veröffentlichung bzw. den ersten Verkäufen noch erledigen sollten

Matthias Matting hat eine Liste erstellt mit 18 Aufgaben, die Selfpublisher nach der Veröffentlichung erledigen müssen. Vieles davon habe ich bereits in Teil 5: Buch-Marketing und Teil 6: Ihre Autoren-Website besprochen, aber zwei Punkte möchte ich noch herausgreifen:

 Aufgabe: Überlegen Sie, ob die Kleinunternehmerregelung für Sie passt oder nicht und melden Sie sich dann beim Finanzamt und gegebenenfalls beim Gewerbeamt an! Klären Sie außerdem Ihre Krankenversicherung ab und sammeln Sie alle Ausgaben und Einnahmen (Belege aufheben!) für die Steuererklärung!

So, das war’s! Ich hoffe, Sie konnten mit meiner Hilfe erfolgreich alle grundlegenden Schritte erledigen, um eine erfolgreiche Autorenlaufbahn zu beginnen. Jetzt heißt es: schreiben und wachsen. Legen Sie los und viel Erfolg!

Wie hat Ihnen die Serie gefallen? Haben Sie die Informationen und Links weitergebracht? Vermissen Sie gewisse Aspekte, die ich noch beleuchten sollte? Dann schreiben Sie mir!

Alle Beiträge der Artikelserie:

  1. Vorüberlegungen
  2. Grundlagen
  3. Schreibtechnik
  4. Veröffentlichen
  5. Buch-Marketing
  6. Ihre Autoren-Website
  7. Formalitäten