Kreatives Schreiben professionell: Vom Hobby zum Beruf – Teil 3

Sprosse 3 der Autorenleiter: Schreibtechnik

In diesem dritten Beitrag der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen geht es um Schreibtechnik.

Insbesondere möchte ich Ihnen dabei zeigen, wie Sie Ihren Schreiballtag durch gewisse Kniffe und Hilfsmittel (Software) produktiver und effizienter gestalten. Desweiteren stelle ich Ihnen verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung (Bücher, Podcasts, Kurse) vor und wie Sie das Richtige für sich finden.

Wenn Sie die Aufgaben aus den vorigen Beiträgen der Artikelserie bearbeitet haben oder schon über eine gewisse Schreiberfahrung verfügen, haben Sie jetzt eine Idee, ein Genre, eine grobe Vorstellung Ihrer Geschichte und Ihrer Hauptcharaktere, ein tägliches Schreibziel, feste Schreibzeiten und optionale Zusatzschreibblöcke.

Falls nicht, schauen Sie noch einmal in Teil 2 der Artikelserie, um die noch fehlenden Zutaten zu ergänzen.

Falls Sie alle Grundlagen zur Hand haben, lesen Sie weiter, wie Sie jetzt Ihre Geschichte entwickeln und aufschreiben.

Kreativer schreiben: Optimierung des Schreiballtags

Neben dem Ausnutzen möglicher Leerlaufzeiten zum Schreiben (mehr dazu in Teil 2 der Artikelserie) lässt sich der Autorenalltag in folgende vier Schreibsituationen optimieren: Starten, Wiederaufnehmen, Vorwärtskommen, Abschließen

Starten – Vor dem Schreiben

Sie haben eine ungefähre Vorstellung davon, wer in Ihrer Geschichte mitspielt und wie die Handlung ablaufen wird. Prima, dann können Sie ja endlich loslegen, oder? Das kommt darauf an, wie Sie schreiben.

Unter den Schreibenden gibt es nämlich zwei große Fraktionen: die Plotter und die Bauchschreiber. Die Plotter planen erst und schreiben dann; die Bauchschreiber schreiben erst und sehen dann, wo die Muse Sie hinführt. Können Sie sich schon klar einer Kategorie zuordnen? Vielleicht noch nicht, wenn Sie noch nie ein größeres Schreibprojekt wie einen Roman angegangen sind. Manchmal treten auch Mischformen auf, beispielsweise wie Dr. Anette Huesmann in ihrem Artikel Plotten? Oder nicht plotten? schreibt.

Je erfahrener Sie sind, umso weniger werden Sie wahrscheinlich planen (müssen) und umso schneller fangen Sie mit dem Schreiben an. Andererseits werden Sie auch als Plotter an Stellen kommen, an denen die Inspiration – oder Ihre eigenwillige Figur – Sie führt und nicht ihr Plan.

Berühmte Bauchschreiber: Stephen King, Margaret Mitchell

Gleich, welche Schreibart Ihnen mehr zusagt – und vielleicht entdecken Sie das erst beim Schreiben –, ich denke, dass gerade eine bei Schreibanfängern eine genauere Ausarbeitung der Handlung und der Figuren hilfreich ist. Das hilft, den roten Faden nicht zu verlieren, verhindert, dass das Schreiben durch belanglose Szenen und unnötigen Füllstoff auswuchert, und ermöglicht ein leichteres Fortsetzen des Schreibens, da ein detaillierter Plan vorliegt, was wann geschieht. Wer aus dem Bauch schreibt, muss schon Vieles verinnerlicht haben, was Handlung, Spannungsaufbau, Figurenentwurf, Genre-Konventionen und anderes betrifft.

3 Methoden, eine Geschichte zu entwickeln

Nehmen wir an, Sie wollen einen Roman schreiben; das Genre spielt dabei im Moment keine Rolle. Wie entwickeln Sie nun aus Ihrer Idee ein Arbeitskonzept, mit dem Sie das Grundgerüst Ihres Romans errichten? Dazu gibt es verschiedene Methoden, die sich in ihren zentralen Bestandteilen ähneln, nämlich:

  • Ausgangssituation
  • Konflikt
  • Krise
  • Auflösung

Der Unterschied liegt in der mehr oder weniger detaillierten Struktur, die die einzelnen Methoden vorgeben. So besteht die 3-Akte-Struktur nur aus drei Teilen (Anfang, Hauptteil, Auflösung), während das 7-Punkte-System genauere Vorgaben für die Romanstruktur bietet, als da wären: Aufhänger, erste Wendung, erster Kniff, Mittelpunkt, zweiter Kniff, zweite Wendung und Auflösung.

Plotten Sie individuell! Manchen reicht eine grobe Struktur; andere bevorzugen eine genaue Liste der Höhen, Tiefen und Wendungen ihrer Geschichte.

Am besten ist es, sich die verschiedenen Methoden selber anzuschauen und auszuprobieren. Auf den folgenden Seiten finden Sie ausführliche und hilfreiche Erklärungen der einzelnen Strukturierungsmethoden:

Das 7-Punkte-System von Dan Wells hat Marcus Johanus noch einmal im aktuelleren Artikel Plotten wie die Profis aufgenommen.

Ich persönlich finde die Schneeflockenmethode sehr praktisch, da man mit ihr nicht nur in die Essenz der Geschichte selbst hineintaucht (wichtig für Prämisse und Exposé, aber dazu mehr in Teil 4 der Artikelserie: Veröffentlichung – Link folgt), sondern auch gleich seine Figuren besser kennenlernt und durch die Erweiterungen des untergliederten Plots sowie der Kapitelzusammenfassungen einiges an Vorarbeit für das eigentliche Schreiben liefert. Dabei braucht man dann diese Inhaltsbeschreibung nur noch genauer auszuführen, ohne erst noch überlegen zu müssen, wie die Geschichte im nächsten Kapitel weitergeht.

Aufgabe: Suchen Sie sich eine Methode aus und entwickeln Sie damit aus Ihrer Idee eine Romanstruktur und, falls nötig oder gewünscht, ein Arbeitskonzept (Kapitelzusammenfassung)!

Tipp: Marcus Johanus hat in seinem Blog eine wunderbare Checkliste für den Plot eines Romans veröffentlicht, die allerdings sehr ins Detail geht. Anschauen kostet nichts, also werfen Sie einen Blick darauf und schauen Sie, ob Sie damit etwas anfangen können oder ob das für Sie (im Moment) noch zu viele Einzelheiten sind. Bedenken Sie dabei: Alles, was Sie an Vorarbeit in Ihren Romanplot stecken, brauchen Sie nachher nicht mehr zu leisten! Gerade wenn Sie steckenbleiben oder von Ihrer eigentlichen Erzähllinie abkommen – beispielsweise durch nette, aber für die Haupthandlung völlig irrelevante Erlebnisse von Nebencharakteren –, wird Ihnen ein derartiger Plan helfen, schnell wieder auf Ihre Linie zurückzukehren.

Wiederaufnehmen – Zwischen einzelnen Schreibphasen

Ihr Arbeitskonzept steht. Die Struktur Ihrer Geschichte liegt klar vor Ihnen. Sie fangen an zu schreiben und erreichen regelmäßig Ihr tägliches Schreibziel. Doch eines Tages stecken Sie fest. Sie haben keine Idee, wie es in der nächsten Szene oder im nächsten Kapitel weitergeht. Was tun?

Es gibt die verschiedensten Ratschläge, um diese so genannten Schreibblockaden zu überwinden und wieder schnell(er) in den Schreibfluss zu gelangen. Einige davon bespreche ich in meinem Artikel Aller guten Dinge sind 9 – Trainieren Sie Ihre Schreibmuskeln mithilfe dieser Webseiten). Viel besser als im Schreiben stecken zu bleiben und dann nachträglich Schadensbehebung zu betreiben, ist allerdings, solchen Schreibblockaden vorzubeugen.

Dazu möchte ich Ihnen zwei Kniffe vorstellen:

  1. Hören Sie mitten in einer Szene auf, anstatt sie bis zum Ende fertigzuschreiben! So können Sie bei der nächsten Sitzung leichter wieder an das Geschehen anknüpfen.
  2. Anstatt Kapitel für Kapitel linear hintereinander zu schreiben, springen Sie zwischen Kapiteln oder Szenen hin und her. Dies ist eine Taktik, die ich bei meinem ersten historischen Roman erfolgreich eingesetzt habe. Wenn ich nach der zuletzt geschriebenen Szene nicht weiterkam, habe ich einfach eine spätere Szene geschrieben, von der ich schon wusste, was darin passieren sollte. Wenn ich dann eine Idee für die Fortsetzung der letzten Szene hatte, bin ich wieder zurückgesprungen und habe den Faden dort wiederaufgenommen.

Vorwärtskommen – Während des Schreibens

Sie schreiben fleißig, die Arbeit am nächsten Tag wiederaufzunehmen, fällt Ihnen leicht, aber trotzdem kommen Sie manchmal ins Stocken, weil Sie noch über Handlungsdetails oder Formulierungen nachdenken. Auch gibt es zweierlei Hilfe:

  1. Brechen Sie Ihre Romanstruktur im Arbeitskonzept so weit herunter, dass Sie Kapitelzusammenfassungen vorliegen haben, die Sie nur noch mit Details erweitern müssen (siehe Tipp oben unter 3 Methoden, eine Geschichte zu entwickeln).
  2. Schalten Sie Ihren inneren Kritiker ab! Er wird zu einem späteren Zeitpunkt genügend Gelegenheit haben, Ihre Text auseinanderzunehmen. Aber erst schreiben Sie – und zwar den kompletten Text! Erst danach lassen Sie Ihren inneren Kritiker heraus und korrigieren und überarbeiten.

Abschließen – Nach dem Schreiben

Sie haben Ihren Text fertig? Hervorragend! Zeit für eine Auszeit! Ja, Sie haben richtig gelesen. Legen Sie den Text weg und widmen Sie sich anderen Dingen, am besten für mindestens 1 Woche, manche empfehlen sogar einen ganzen Monat.

Wichtig ist, dass Sie Abstand von Ihrem Text bekommen. Nur so können Sie mit frischem Auge und Verstand an die Überarbeitung gehen.

Ist Ihre selbst verordnete Auszeit um, dürfen Sie Ihren inneren Kritiker wieder anschalten, der Ihnen nun gezielt Hinweise auf mögliche Schwachstellen in Ihrem Text geben darf. Um die Überarbeitung so einfach, aber wirkungsvoll wie möglich zu machen, sollten Sie folgende Hinweise beachten:

  1. Widerstehen Sie der Versuchung, alles auf einmal zu korrigieren! Machen Sie mehrere Durchläufe, in denen Sie sich jeweils auf den allgemeinen Fluss des Textes, Plotlöcher/Logikfehler, Spannung, Figuren, Dialoge und Rechtschreibung/Grammatik/Stil konzentrieren.
  2. Drucken Sie Ihr Manuskript mit einem schönen breiten Rand für Korrekturen und Notizen aus!
  3. Überarbeiten Sie in einem gesonderten Korrekturlauf noch einmal gründlich Ihren Romananfang! Das ist es, was Ihr Literaturagent, Verlagslektor und Leser als erstes liest und was den Ausschlag geben kann, ob ihr Text angenommen und gekauft wird.
  4. Kümmern Sie sich bei Ihrer ersten Überarbeitung nur am Rande um Tippfehler, Grammatik und unschöne Sätze! Sie werden im Verlauf der verschiedenen Überarbeitungsschritte und spätestens beim Feedback Ihrer Testleser immer wieder Sätze oder Passagen umschreiben, umstellen oder löschen. Heben Sie sich die Korrektorenarbeit als letzten Schritt auf, bevor sie sich um die Veröffentlichung Ihres Manuskripts kümmern!
  5. Erschrecken Sie sich nicht, wenn Ihr Text nach der Überarbeitung kürzer als vorher sein sollte! Vor allem durch das Löschen überflüssiger Elemente wie Adjektive, Füllwörter, Adverbien gewinnt Ihr Text an Kraft und Ausdrucksfähigkeit.

Wenn Ihnen die unter Punkt 1 genannten Anhaltspunkte für die Überarbeitung nicht reichen, schauen Sie doch einmal in Annika Bühnemanns Buchentstehungsartikel vorbei oder sehen Sie sich Andreas Eschbachs 10-Punkte-Text-ÜV an. Dort finden Sie noch mehr Einzelheiten zu den Überarbeitungsschritten. Andreas Eschbach hat auch einige Häufig Gestellte Fragen seiner Leser zum Thema Überarbeitung beantwortet, die letzte Unklarheiten hoffentlich beseitigen werden. 

Besser schreiben: Weiterbildung für Autoren

Marcus Johanus und Axel Hollmann haben dazu auf Ihrem YouTube-Kanal „Die Schreibdilettanten“ ein schönes Einstiegsvideo veröffentlicht, dessen Tenor ich absolut zustimme: Höre nie auf zu lernen!

Da gerade am Anfang die Lernkurve steil ist und man sich schnell in den unzähligen Angeboten verloren fühlen kann, möchte ich einen kurzen Leitfaden zur Orientierung geben.

Starten Sie zunächst mit Ratgebern und Materialien zum Romanschreiben allgemein, beispielsweise zum Aufbau eines Romans, wie man glaubhafte und interessante Figuren entwirft, welche Erzählperspektive man wählt, wie Sie Orte und Personen beschreiben und wie Dialoge aufgebaut sind.

Sie werden sehen, dass im Laufe des Schreibens automatisch weitere Fragen auftauchen, zu denen Sie gezieltere oder weiterführende Antworten brauchen, wie man beispielsweise Spannung aufbaut oder Personen durch Dialoge charakterisiert.

So schön das Suchen nach Antworten in Büchern und im Internet sein mag, vergessen Sie nicht, dass Sie in erster Linie schreiben müssen, um zu lernen! Nur durch Übung bekommen Sie die Erfahrung, wie Sie gewissen Vorgaben umsetzen.

Tipp: Es gibt viele Schreibtipps und Lernmaterialien, aber am besten kommen Sie immer noch vorwärts, wenn Sie a) viel schreiben und b) viel lesen – und zwar keine Ratgeber, sondern Romane. Lesen Sie mit dem Auge eines Autors und schauen Sie sich die Kniffe und Tricks von den Profis ab. Seien Sie nicht traurig, wenn Sie dabei ein langweiliges Buch erwischt haben! Auch daraus können Sie lernen – nämlich wie man es NICHT machen sollte. 

Doch zurück zum Lernen durch Weiterbildung: Hier stehen Sie zunächst vor der Frage, ob Sie in Eigenregie lernen (Selbstlernen) oder ob Sie eine Anleitung bzw. Rückmeldung brauchen. Schauen wir uns die beiden Bereiche einmal an:

Selbstlernen

Egal, ob man Text, Audio oder Video bevorzugt, es ist für jeden etwas dabei:

  • Schreibratgeber, gedruckt oder als e-Book
  • Websites
  • Podcasts
  • YouTube-Kanäle
  • Online-Kurse

Außer den Klassikern unter den Schreibratgebern, die man überall, wo es ums Schreiben geht, empfohlen bekommt und die es meines Wissens nur in Textform gibt – James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, Sol Stein: Über das Schreiben oder Stephen King: Das Leben und das Schreiben –, sollte man sich aus dem Angebot einfach das heraussuchen, was am besten zum eigenen Lebensstil passt.

Als abendliche Bettlektüre bevorzuge ich beispielsweise Schreibratgeber in Buchform; beim Bügeln oder Joggen leisten mir Podcasts Gesellschaft, für gezielte Problemlösungen besuche ich Websites oder Online-Schreibkurse, und wenn mir in meinem einsamen Autorenstübchen die Decke auf den Kopf fällt, halte ich nach Gruppenschreibkursen offline Ausschau. So kann ich jede Woche ein mäßiges, aber regelmäßiges Pensum an Weiterbildung einplanen.

Vorteile:

Flexibilität: Man kann zu jeder beliebigen Zeit, an jedem beliebigen Ort und in seinem eigenen Tempo die Inhalte konsumieren.

Vielfalt: Den Themen sind keine Grenzen gesetzt: Allgemeines zum Plotten oder Figurenentwurf, gezielte Hilfe beim Dialogeschreiben oder beim Tweaken des Romananfangs, Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu Veröffentlichen – egal, was einen gerade interessiert, man findet sowohl offline als auch online eine Menge Informationen, mit denen man sich schnell ein breites Wissen aneignen, aber auch speziellere Fragen klären kann.

Kosten: Viele Inhalte, insbesondere Websites, Podcasts und YouTube-Kanäle, gibt es kostenlos. Auch viele Schreibratgeber und Online-Kurse kosten nicht die Welt, sagen wir bis 30 Euro, so dass man sein Geld in andere Dinge, wie beispielsweise Schreibsoftware (mehr dazu weiter unten), investieren kann.

Nachteile:

Fehlende Rückmeldung: Selbstlernmaterialien sind günstig, weil sie, einmal erstellt, keinen weiteren Input vom Hersteller benötigen. Der Lernende muss den Stoff selbst durcharbeiten und erhält am Schluss keine Bewertung seiner Umsetzung des Gelernten.

Selbstdisziplin: Ohne feste Lernzeiten liegt es an einem selbst, den Text durchzulesen oder die Sendungen anzuhören oder anzuschauen. Es kann dann leicht passieren, dass das Ganze sich endlos hinzieht und man schlimmstenfalls die Lust daran verliert, nach dem Motto: „Das lese/höre/sehe ich eh nicht mehr! Das kann weg.“ Fehlende Abgabetermine bzw. Anreize für die Anwendung des Gelernten tragen ihr Übriges dazu bei, dass sich selbst bei eifrigem Konsum von Büchern, Podcasts und Videos der gewünschte Lernerfolg einstellt. Theorie ist gut, Praxis ist besser – auch beim Schreiben.

Geeignet für Autorinnen, die folgendes Ziel haben:
  • einen ersten Überblick über die Schreiblandschaft erhalten
  • ausloten, was es gibt, was einem gefällt und sich gut in den Alltag integrieren lässt
  • kostenlos oder mit geringem finanziellem Einsatz ins professionelle Schreiben starten
  • Antworten auf spezifische Schreibfragen finden
Wie finde ich das Richtige?

Das hängt von Ihren Vorlieben, Ihrem Ziel und Ihrem Zeitrahmen ab. Hier ein paar Vorschläge und Empfehlungen:

Bevorzugen Sie Geschriebenes, bei dem Sie sich das heraussuchen können, was Sie gerade brauchen, und immer wieder Sachen nachschlagen können?

Bücher:

Diana Hillebrand: Heute schon geschrieben?

Hans Peter Roentgen: Vier Seiten für ein Halleluja bzw. Spannung. Der Unterleib der Literatur

Tipp: Sicher werden Ihnen an anderer Stelle Klassiker wie James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt und Sol Stein: Über das Schreiben empfohlen. Schauen Sie sich die Bücher unbedingt vorher an, bevor Sie entscheiden, ob Sie sie kaufen! Mir sagten der amerikanische Schreibstil und die zumeist auf US-amerikanische Literatur beschränkten Beispiele überhaupt nicht zu, so dass ich die Bücher wenig hilfreich fand. Aber entscheiden Sie selbst!

Websites:

vomschreibenleben.de

xojulia.de – Hier können Sie sich auch für einen kostenlosen Minischreibkurs mit Videolektionen registrieren.

Lieben Sie Videos?

YouTube-Kanal von Marcus Johanus und Axel Hollmann (Die Schreibdilettanten)

Gratis-Videos von Textehexe Susanne Pavlovic

Pendeln Sie oft und regelmäßig und können dabei aber nicht lesen?

Hier würde ich Ihnen gerne einen Podcast empfehlen, aber eigene Erfahrungen habe ich nur mit dem englischsprachigen Podcast Writing Excuses. Für Anfänger finde ich den jedoch völlig ungeeignet, da meist fachlich sehr anspruchsvolle Schreibprobleme besprochen werden. 

Eine Übersicht mit aktuellen Podcasts für Autoren (Stand: Dezember 2018) gibt Florian Führen auf seiner Website. Vielleicht finden Sie dort etwas Passendes.

Sind Sie unsicher, wo Sie Hilfe brauchen und nach was Sie in Büchern, Podcasts oder Videos suchen sollten?

In diesem Fall würde ich Ihnen dringend zum Lernen unter Anleitung anraten. Das kostet am Anfang vielleicht mehr als niedrigpreisiges Lernmaterial aus diesem Abschnitt, aber es spart Ihnen viel Zeit und möglicherweise fehlinvestiertes Geld.

Lernen mit Anleitung bzw. Rückmeldung

Wer unsicher ist, wie er an das professionelle Schreiben eines Buches herangehen soll, gerne in der Gruppe schreibt oder unmittelbare Rückmeldung zu seinen Gedanken und Texten braucht, der sollte einen Blick auf höherpreisige Weiterbildungen werfen:

  • 1-zu-1-Kurse für Autoren
  • Workshops und Seminare in der Gruppe
  • (Schnupper-)Lektorate

Wer es interaktiv mag, der ist in Kursen und Seminaren gut aufgehoben. Einseitiger, aber nicht minder effektiv, verläuft das (Schnupper-)Lektorat durch einen professionellen Autor oder Lektor. Diese bieten Ihnen nicht nur Unterstützung am eigentlichen Text, sondern können auch Ihr Exposé, also die Zusammenfassung Ihrer Geschichte, in denen Sie Inhalt, Struktur und Hauptfiguren vorstellen, unter die Lupe nehmen und Ihnen Verbesserungsvorschläge machen. Ein solches Exposé-Lektorat ist besonders hilfreich, wenn Sie mit Ihrem Text noch am Anfang stehen, denn dann können Sie die Vorschläge direkt umsetzen, ohne Ihr Manuskript komplett umschreiben zu müssen.

Das Arbeitskonzept für meinen ersten historischen Roman entstand beispielsweise im Intensivkurs bei Rainer Wekwerth, nach dem ich über 30 Seiten Material zum Starten hatte. Für andere Texte habe ich mir Lektorate für Exposé bzw. Romananfang von Stephan Waldscheidt bzw. Hans Peter Roentgen geleistet.

Vorteile:

Struktur: Wer unter Anleitung lernt, erhält meist von außen einen Plan vorgegeben, anhand dessen man gemeinsam auf das festgelegte Ziel zusteuert. Gerade am Anfang profitiert man von der leitenden Hand eines erfahrenen Autors oder Lektors ungemein, um typische Anfängerfehler zu vermeiden und sein Ziel schneller und effizienter als im Alleingang zu erreichen.

Resultate: Gerade individuelle Schreibkurse zielen auf ein bestimmtes Endresultat hin. Im Gegensatz zum Selbstlernen stehen hier nicht der reine Konsum, sondern das Anwenden und die Umsetzung im Vordergrund.

Fokus: Gerade die Lektorate treffen punktgenau die wunden Stellen eines Textes, wie Infodump, fehlende Spannung oder langweilige Charaktere, und schlagen meist gleichzeitig Maßnahmen vor, um diese Fehler zu beheben. Ein weiterer großer Pluspunkt von Lernen mit Anleitung ist außerdem, dass man seine Aufmerksamkeit nicht auf alle möglichen anderen interessanten Themen verteilt oder sich in den medialen Angeboten verzettelt Stattdessen arbeitet man konzentriert nur an einem einzigen Bereich, der innerhalb der gegebenen Struktur relevant und notwendig ist, um seinem Ziel einen Schritt näher zu kommen.

Sozialer Aspekt: Man lernt die Profis persönlich kennen oder trifft in Schreibseminaren auf Gleichgesinnte. Daraus kann sich ein schönes Netzwerk von Kollegen, Kritikern, Testlesern und vielleicht sogar Freunden entwickeln.

Nachteile:

Kosten: Während Schreibseminare oder -Workshops an der VHS meist nicht mehr als zwei günstige, gedruckte Schreibratgeber kosten, können individuelle Kurse bei gestandenen Autoren schon mit höheren dreistelligen Summen ins Geld gehen.

Leistungsdruck: Hier müssen Sie schreiben und das Gelernte umgehend anwenden – und zwar mit Abgabetermin und Längenvorgabe.

Geeignet für Autorinnen, die folgendes Ziel haben:
  • Schreibfertigkeiten gezielt verbessern
  • schnell ein Projekt vorwärtsbringen
  • qualifizierte Rückmeldung zu eigenen Texten von Schreibprofis erhalten
Wie finde ich das Richtige?

Ganz besonders bei kostenpflichtigen Angeboten ist es wichtig, dass Sie sich fragen, was Sie jetzt oder in naher Zukunft brauchen! Ein Kurs zur Buchvermarktung nützt Ihnen beispielsweise aktuell herzlich wenig, wenn Sie noch nie ein Buch geschrieben haben. Investieren Sie stattdessen das Geld lieber in einen Schreibkurs, in dem Sie Ihre Idee in ein Arbeitskonzept verwandeln und die Figuren entwerfen.

Zeitrahmen und Kosten

Lektorate benötigen am wenigsten Zeit von Ihnen. Sie schicken Ihren Text zum Lektor 7nd fertig. Preislich reichen Lektorate vom kostenlosen oder preiswerten Schnupperlektorat von 5 bis 10 Seiten über niedrige dreistellige Beträge für Exposé oder längere Textauszüge bis hin zu vierstelligen Beträgen für komplette Manuskripte.

Workshops und Seminare finden Sie als mehrstündige bis mehrtägige — meist einen ganzen Tag oder ein Wochenende — Veranstaltungen bei der VHS, bei Autorenschulen wie der Textmanufaktur oder bei erfahrenen Autoren wie Diana Hillebrand. VHS-Seminare kosten meist um die 30 Euro; mehrtägige Schreibkurse bis zu ein paar hundert Euro.

Schreibkurse von professionellen Schreibtrainern wie Rainer Wekwerth, Diana Hillebrand oder der Textmanufaktur sind zeit- und kostenintensiv, bieten aber eine individuelle Betreuung von Ihnen als Autorin und eine individuelle Beurteilung von Ihrem Text. Dafür müssen Sie allerdings mit drei- bis vierstelligen Beträgen rechnen.

Empfehlungen

Lektorate/Text-Coaching, die ich selbst in Anspruch genommen habe:

Exposé-Lektorat von Stephan Waldscheidt

Text-Coaching von Textehexe Susanne Pavlovic

Tipp: Das Schnupperlektorat von Hans Peter Roentgen hat mich im Gegensatz zu den Rückmeldungen von Stephan Waldscheidt und Susanne Pavlovic nicht viel weitergebracht. Viel hilfreicher finde ich seine Bücher, in denen er handverlesene Textstellen lektoriert und Verbesserungsvorschläge gibt, die man dann auf seinen eigenen Text anwenden kann.

Fernlernkurse, die ich selbst oder Freunde belegt haben:

Schreibkurse bei Rainer Wekwerth

18-monatiges Fernstudium bei der Textmanufaktur

Präsenzkurse:

Schreibkurse von Barbara Krohn in Regensburg und Landshut (aus einem dieser Kurse ist meine Schreibgruppe entstanden)

Schreibkurse in München von Diana Hillebrand

Tipp: Gerade am Anfang machen Sie durch das Einholen professioneller Hilfe einen riesigen Entwicklungssprung. Je mehr Schreiberfahrung Sie sammeln, umso besser können Sie unter der Flut von Selbstlernmaterialien auswählen und entscheiden, welche für Ihren derzeitigen Kenntnisstand am besten geeignet sind. Eine gesunde Mischung aus angeleitetem und selbständigem Schreiben ist wahrscheinlich am effektivsten, um schnell ansprechende Ergebnisse zu erzielen.

Aufgabe: Suchen Sie sich ein bis zwei, maximal drei Hilfsmittel aus, mit denen Sie sich weiterbilden wollen, beispielsweise einen guten Schreibratgeber (Heute schon geschrieben?) und eine Website (vomschreibenleben.de) bzw. einen Videokanal (Die Schreibdilettanten). Nutzen Sie die Informationen dort, um gezielt beim Schreiben an Ihrem Text zu arbeiten und versuchen Sie, das in den entsprechenden Lektionen, Artikeln oder Videos direkt umzusetzen! ODER entscheiden Sie sich für einen kostenpflichtigen Schreibkurs, um Ihre Idee und Ihr Konzept unter professioneller Anleitung weiterzuentwickeln und zu Papier zu bringen!

Vernetzung

Theorie ist gut, Praxis ist besser, Vernetzung ist das Sahnehäubchen obendrauf.

Schreiben ist ein einsamer Beruf, also suchen Sie regelmäßig den Austausch mit Gleichgesinnten. Lernen Sie von anderen, teilen Sie Ihr Wissen, unterstützen Sie sich gegenseitig bei Ihren Projekten und in Krisenzeiten!

Hier treffen Sie andere Autoren:

  • Schreibgruppen vor Ort: Recherchieren Sie, ob es an Ihrem Wohnort schon Autorentreffen gibt und gesellen Sie sich dazu! Oder bilden Sie eine neue Schreibgruppe mit Ihren Mitstudenten aus einem VHS-Schreibkurs – so bin auch ich zu meiner Schreibgruppe gekommen.
  • Autorenforen online: Nett und sicher in vielerlei Hinsicht hilfreich, aber nicht dasselbe wie persönliche Treffen.
  • Messen/Autorentreffen: Nutzen Sie Gelegenheiten wie Buchmessen oder Autorentreffs zu bestimmten Themen/Genres, um sich mit anderen Autoren, aber auch Verlegern, Lektoren und Lesern zu vernetzen.
  • Autorenreise: Vielleicht wollten Sie immer schon am Strand in der warmen Sonne schreiben? Dann gehen Sie auf eine Autorenreise und treffen Sie Ihre internationalen Kollegen in Griechenland, Italien, Spanien, …

Weiterführende Links:

  • Kursprogramm Ihrer lokalen VHS
  • Autorenforen: Groß und bekannt sind unter anderem die Autorenforen Montségur, 42er Autoren, Autorenforum (The Tempest) und Autorenwelt (Uschtrin-Verlag), weil dort auch erfahrene Schriftsteller verkehren. Deshalb müssen Sie teilweise allerdings auch zumindest eine Veröffentlichung vorweisen, um überhaupt zugelassen zu werden. Versuchen Sie es deshalb auch in kleineren Foren wie Leselupe, Wortkrieger oder einem Forum, das sich speziell mit Ihrem Genre beschäftigt.
  • Übersicht über Buchmessen und Veranstaltungen für Autoren
  • Autorenreisen: Suchen Sie beispielsweise nach „Creative Writing Holidays“ oder „Schreibseminar reisen“ und lassen Sie sich von den Angeboten inspirieren! Oder werfen Sie einen Blick auf das Portal Urlaub kreativ, das Schreibkurse und andere kreative Aktivitäten in vielen Ländern anbietet.

Aufgabe: Probieren Sie die verschiedenen Vernetzungsmöglichkeiten aus und schauen Sie, was Ihnen gefällt und woraus Sie am meisten Nutzen ziehen!

Tipp: Natürlich können Sie sich auch über die Sozialen Medien vernetzen, aber versuchen Sie immer auch, andere Autoren persönlich zu treffen! Der Motivationsschub ist ein ganz anderer als über Smilies und Likes.

Effizienter schreiben: Tools und Software

Schreibprogramme

Ja, es gibt tatsächlich Autoren, die in Word ihre Romane verfassen und gerne damit arbeiten. Wenn Ihnen aber die Herumscrollerei im Dokument sowie die fehlenden Möglichkeiten zur komfortablen Verwaltung von Kapiteln, Szenen, Handlungssträngen, Figuren und Recherchematerial in ein und derselben Datei genauso auf die Nerven gehen wie mir und vielen anderen Kollegen, dann sollten Sie über eine spezielle Schreib-Software nachdenken.

Eine Übersicht gängiger Programme für Autoren finden Sie auf Matthias Mattings Selfpublisherbibel, Annika Bühnemanns Schreibblog und (in Englisch) auf einer Nachschlageseite für alternative Programme (Suche nach: Alternative zu Papyrus Autor). Die beiden große Konkurrenten zu Word sind dabei Scrivener und Papyrus Autor. Letzteres wurde von einer deutschen Firma zusammen mit Andreas Eschbach entwickelt, während Scrivener aus dem amerikanischen Markt stammt.

Wie finden Sie die richtige Software?

Testen Sie! Nur weil Scrivener und Papyrus Autor die Platzhirsche sind, heißt das nicht, dass auch Sie sie benutzen müssen. Vielleicht sind Ihnen die Programme zu aufgebläht mit ihren vielen Funktionen. Vielleicht benötigen Sie nur eine übersichtlichere Textverarbeitung. Vielleicht sind Ihnen die Programme zu teuer, und Sie möchten lieber (erst einmal) eine kostenlose Software.

Die oben genannten Seiten liefern Ihnen einen guten Überblick über Funktionen, Preis, Vor- und Nachteile der angeführten Programme. Soweit ich weiß, können Sie alle Programme kostenlos testen, bevor Sie sie gegebenenfalls kaufen.

Als ich vor einigen Jahren vor der Entscheidung für ein Schreibprogramm stand, habe ich nur Papyrus Autor und Scrivener getestet, da ich gerne ein Rundumpaket haben wollte, mit dem ich nicht nur (ablenkungsfrei) schreiben, sondern vor allem auch leicht zwischen einzelnen Szenen hin und her springen sowie eine anständige Figuren- und Recherchedatenbank anlegen konnte. Warum meine Wahl auf Scrivener gefallen ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Lexika, Nachschlagewerke und Recherche

Irgendwann kommt der Punkt, an dem Sie eine Schreibweise nachschlagen müssen, ein Synonym suchen oder etwas recherchieren müssen. Ich benutze vor allem zwei Online-Tools, die auch Ihnen sicher nützen werden:

Duden Online: meine erste Anlaufstelle für Rechtschreibung und Synonyme. Die Rechtschreibkorrektur ist in Papyrus Autor integriert.

Internet Archive: Hier finden Sie alles, was jemals online an Webseiten, Texten, Filmen, Audio, Software oder Bildern herumgeschwirrt ist. Wenn Sie beispielsweise Originaltexte oder Hintergrundmaterial aus früheren Epochen benötigen, sind Sie hier genau richtig.

Unbedingt vorbeischauen sollten Sie auch noch auf zwei Seiten von Autor-Blogger Sven Lenartz, der eine Liste mit Online-Tools speziell zu Rechtschreibung, Grammatik und Lesbarkeitsanalyse sowie verschiedenste Online-Helfer zur Arbeit mit und am Wort für Autoren zusammengestellt hat.

Aufgabe: Betrachten Sie Ihr Romankonzept und überlegen Sie, ob Ihnen eine Schreib-Software bei der Ausgestaltung des Konzepts helfen könnte, etwa durch eine Übersicht über Ihr Figuren und deren Konstellationen, die verschiedenen Handlungsstränge und/oder Zeitleisten oder einfach durch ein vereinfachtes Hin- und Herbewegen im Dokument! Probieren Sie dann einige Programme aus und entscheiden Sie sich für eins!

Tipp: Die Kosten für Weiterbildung, Fachliteratur, Schreib-Software (und -Hardware!) können Sie von der Steuer absetzen. Heben Sie also Ihre Belege und Rechnungen gut auf! Mehr dazu in Teil 5: Formalitäten – Link folgt

Im vierten Teil der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen steigen wir auf Sprosse 4 der Autorenleiter, auf der sich alles ums Veröffentlichung dreht.

Birgit Constant

Birgit Constant ist promovierte Mediävistin mit langjähriger IT-Erfahrung, liebt Sprachen, Sprache und das Schreiben, und liest wahnsinnig gerne vor. Als Wandlerin zwischen den Welten betreibt sie Extremsport auf die sanfte Art und verbindet dadurch Bereiche, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören: deutsch und fremdsprachlich, Groß und Klein, modern und mittelalterlich, Frau und Technik, und noch einiges mehr.