Kreatives Schreiben professionell: Vom Hobby zum Beruf – Teil 2

Sprosse 1 der Autorenleiter: Grundlagen für Ihr professionelles Manuskript

In diesem zweiten Beitrag der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen geht es um grundlegende erste Schritte zum Start ins professionelle Schreiben.

Wenn Sie bereits Ihr Genre gefunden haben und regelmäßig schreiben, wird Ihnen Vieles, das ich in diesem Teil bespreche, schon geläufig sein. Steigen Sie dann einfach auf einer höheren Sprosse der Leiter ein. Ich ergänze die Links, sobald die weiteren Beiträge erschienen sind.

Wenn Sie erst einige kürzere Texte geschrieben haben und noch nicht wissen, in welche Richtung Sie sich weiterentwickeln wollen, dann lesen Sie weiter.

Begriffsdefinitionen

Wenn ich in dieser Artikelserie von professionellem Schreiben spreche, dann meine ich in diesem Zusammenhang das Schreiben zum Zwecke der Veröffentlichung und des Geldverdienens. In Abgrenzung dazu bezieht sich der Begriff Hobbyautorin auf jene Schreibende, die eben als Hobby, aus Spaß an der Freude Geschichten schreibt und diese bestenfalls in Foren hochlädt, in denen andere Mitglieder die Texte kostenlos lesen und kommentieren können. In keinem Fall dienen die Begriffe zur Aufwertung oder Abwertung der jeweiligen Leistung, sondern nur zur Differenzierung nach der erreichten Sprosse auf der Autorenleiter.

Jetzt geht es aber los!

Genre und Idee

Um ein Manuskript zu schreiben, das Sie auch veröffentlichen können, brauchen Sie zwei Dinge: ein Genre und eine Idee. Die Frage, was Sie zuerst haben sollten – die Idee oder das Genre –, ähnelt wohl der Frage nach dem Huhn und dem Ei. Sollten Sie sich zuerst überlegen, um was sich ihre Geschichte dreht oder welche Art Geschichte Sie schreiben wollen?

Genre

Ein Genre ist vielleicht einfacher zu finden als eine passende Idee, also beginnen wir damit. Überlegen Sie einmal, was Sie gerne lesen:

  • Lieben Sie Spannung und Nervenkitzel? Stehen Sie also eher auf Krimi und Thriller?
  • Tauchen Sie gerne ein in fremde Welten und lesen Science Fiction, Fantasy und historische Romane?
  • Mögen Sie Gefühle und Romantik, die Sie in Liebesromanen finden?
  • Oder haben es Ihnen vielleicht Kinderbücher mit ihren niedlichen Charakteren und den oft witzigen Storys angetan?

Natürlich gibt es noch mehr Genres, und auch die kennzeichnenden Merkmale eines Genre können in anderen Genres auftauchen; in Fantasy-Romanen kann es beispielsweise Gefühle geben, genauso wie Krimis und Humor sich nicht ausschließen. Wenn Sie auf eine Veröffentlichung abzielen, müssen Sie sich auf alle Fälle eindeutig für ein Genre entscheiden. Das ist aus zwei Gründen wichtig:

  1. Spätestens bei der Abgabe eines Exposé an einen Verlag oder eine Literaturagentur bzw. beim Entwurf Ihres Buchcovers oder beim Hochladen auf eine Selfpublishing-Plattform müssen Sie angeben, welchem Genre Ihr Text zuzuordnen ist.
  2. Mit der Auswahl des Genre müssen Sie gewisse genre-spezifischen Konventionen erfüllen – mehr dazu in Teil 2: Schreibtechnik (Link folgt) –, die Verlag, Literaturagent und nicht zuletzt auch Ihre potentiellen Leser erwarten. Diese Konventionen müssen Sie während des Schreibens berücksichtigen, sonst haben Sie nachträglich eine ganze Menge umzuschreiben, um Ihr Manuskript erfolgreich an den Mann oder die Frau zu bringen.

Tipp: Einen sehr detaillierten Überblick über literarische Genres, deren Subgenres sowie zu beachtende Konventionen gibt Dr. Anette Huesmann in ihrem Schreib-Blog.

Aufgabe: Notieren Sie, welche Bücher Sie gerne lesen und zu welchem Genre diese gehören. In welchem Genre könnten Sie sich vorstellen, ebenfalls eine Geschichte zu schreiben?

Idee

Nehmen wir einmal an, Sie haben sich für ein Genre entschieden. Woher kriegen Sie jetzt die Idee für eine Geschichte? Wie wäre es mit diesen vier Möglichkeiten:

  1. Sie haben schon eine Idee.

Prima! Dann machen Sie direkt weiter mit der Aufgabe weiter unten im Text!

  1. Sie lassen sich beim Lesen anderer Bücher von den Geschichten und Figuren inspirieren.

Gefällt Ihnen das Thema eines Romans, den Sie kürzlich gelesen haben, besonders gut? Fanden Sie die Darstellung des Protagonisten zu positiv? Würden Sie nach dem Ende der Geschichte gerne wissen, wie es mit einer interessanten Nebenfigur weitergeht? Gut, die letzte Frage klingt schon sehr nach einem Spinoff à la Star Wars oder Fanfiction, aber ich hoffe, Sie verstehen, worauf ich hinauswill.

Was immer Sie beim Lesen eines Buches fasziniert oder stört, bietet Material für eigene Texte. Seien Sie kreativ! Machen Sie sich Notizen und und überlegen Sie, wie Sie diese in eine Geschichte verwandeln können. Spielen Sie mit verschiedenen Alltagssituationen, früheren oder späteren Jahrhunderten, konfliktträchtigen Figurenkonstellationen, um Ihre Idee zu finden!

Hüten Sie sich an dieser Stelle, Ihre Gedanken zu zensieren. Im Moment suchen Sie nur nach einer Idee. Ob sie etwas taugt, werden Sie später sehen, wenn Sie Ihre Geschichte grob planen – darüber mehr in Teil 2: Schreibtechnik (Link folgt). Dann haben Sie immer noch Zeit, Ihre Idee anzupassen und zu variieren.

  1. Sie sind kreativ und machen ein Brainstorming, um eine Idee zu finden.

Ihnen will so gar nichts einfallen oder Sie haben zu viele Ideen und können sich nicht für eine entscheiden? Nehmen Sie sich Papier und Stift und schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt, egal wie verrückt. Dann schauen Sie sich Ihre Notizen an und suchen sich die Idee aus, die Ihnen am besten gefällt oder zu der Sie am meisten Stichwörter aufgeschrieben haben.

Tipps und weiterführende Links zu den Themen Ideenfindung, Schreibblockaden und Kreative Schreibübungen finden Sie in meinem Artikel Aller guten Dinge sind 9 – Trainieren Sie Ihre Schreibmuskeln mithilfe dieser Webseiten.

  1. Sie schauen sich die Themen aktueller Schreibwettbewerbe an.

Ausschreibungen sind eine tolle Möglichkeit, Ideen zu finden, auf die man von sich aus nicht gekommen wäre, die man aber interessant findet. Die Idee zu meinem ersten Roman entspringt beispielsweise einer solchen Ausschreibung, auch wenn das ursprüngliche Thema – Teuflische Tiere, tierische Teufel – mit dem Endresultat – ein historischer Roman über einen jungen Anglonormannen im England des 11. Jahrhunderts – nicht mehr viel gemeinsam hat. Seien Sie also darauf gefasst, dass Ihre Ausgangsidee nicht in Stein gemeißelt ist, sondern sich im Laufe des Schreibens noch verändern kann und wird, vor allem wenn Sie eigensinnige Figuren haben!

Listen mit Schreibwettbewerben und Ausschreibungen gibt es viele. Auf den beiden folgenden Websites erhalten Sie eine ganze Menge Anregungen, die Sie nach verschiedensten Filtern einschränken und sortieren können:

Wahrscheinlich werden Ihnen bei der Durchsicht der obigen Listen bereits einige Themen ins Auge springen, aber wie machen Sie daraus eine Idee für eine Geschichte? Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie entwerfen eine interessante Figur zum Thema der Ausschreibung und überlegen, was diese Figur erleben könnte, oder Sie denken sich eine interessante Geschichte zum Ausschreibungsthema aus und gestalten dann nach den Bedürfnissen der Handlung die notwendigen Charaktere. Genaueres zu Handlung und Charakteren erfahren Sie in Teil 2: Schreibtechnik (Link folgt).

Aufgabe: Finden Sie eine Idee nach einer der oben vorgeschlagenen Methoden oder auf Ihre eigene Weise! Jetzt überlegen Sie, wie Sie die Idee mit dem Genre verbinden. Entwerfen Sie sich einen groben Plan, worum es in der Geschichte geht und wer die Hauptdarsteller (Protagonist/in, Antagonist/in) sind.

Alltagsgestaltung

Sie haben jetzt ein Genre, eine Idee sowie eine grobe Struktur mit den zwei wichtigsten Charakteren für Ihre Geschichte. Wie machen Sie daraus jetzt ein Manuskript?

Bevor wir uns im nächsten Teil der Artikelserie mit dem eigentlichen Schreibprozess befassen, der uns von der Idee zum fertigen Text bringt, möchte ich vorab einige Tipps geben, die Ihnen diesen nächsten Schritt auf der Autorenleiter erleichtern werden.

Das wahrscheinlich größte Problem für Freizeitschreibende ist immer: Wie finde ich Zeit zum Schreiben? Job, Haushalt, Familie, Zeit für Sport und Entspannung, zwischendurch noch Essen und Schlafen – wie soll da noch ein Roman quasi nebenher entstehen?

Tipp Nummer 1: Denken Sie in kleinen Schritten!

Auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. (Laotse)

So ein Schreibprojekt kann schon einschüchtern. Annika Bühnemann hat mir dazu einmal ganz einfach vorgerechnet, wie man größere Schreibberge leichtfüßig und unbeschwert erklimmen kann, und zwar folgendermaßen:

Nehmen wir an, ein durchschnittlicher Roman hat 200 Seiten, die etwa 50.000 Wörtern entsprechen.

Falsch: „Oh mein Gott! 200 Seiten! Das schaffe ich nie! Da sitze ich ja Jahre dran, wenn ich jeden Tag nur eine Stunde schreiben kann.“

Richtig: „50.000 Wörter? Wenn ich mir jeden Tag eine Stunde nehme und 500 Wörter, also nicht einmal 2 Seiten, schreibe, dann habe ich in 100 Tagen den kompletten Roman geschrieben. Das sind ja nicht einmal dreieinhalb Monate!“

Natürlich haben Sie danach noch kein veröffentlichungsreifes Manuskript vorliegen, aber Sie sehen, wie wenig Zeit man braucht, um zumindest einen ersten Entwurf aufs virtuelle Papier zu bekommen. Wenn Sie etwas weniger Wörter in der Stunde schaffen, brauchen Sie natürlich ein wenig länger, aber auch das wird sich im überschaubaren Rahmen halten. Und überlegen Sie nur einmal, wie schnell Sie fertig sein können, wenn Sie ab und zu oder sogar regelmäßig eine Stunde mehr schreiben können oder pro Stunde mehr Wörter schaffen!

Aufgabe: Vielleicht wissen Sie aus Ihren bisherigen Texten, wie viele Wörter Sie pro Stunde schreiben. Schauen Sie sich dann Ihr neues Projekt und die Gesamtwortzahl an. Legen Sie einen Zeitraum fest, in der Sie den ersten Entwurf fertig haben wollen und berechnen Sie dann, wie viel Sie täglich oder wöchentlich schreiben müssen, um Ihr Ziel zu erreichen. Setzen Sie sich dann ein Schreibziel: Jeden Tag X Wörter/Seiten schreiben.

Übrigens: Die Schreib-Software Scrivener hat eine Funktion, mit der Sie sich solche täglichen oder Gesamtzielzahlen setzen können. Die Funktion stelle ich in diesem Artikel vor.

Tipp Nummer 2: Schreiben Sie regelmäßig!

Wahrscheinlich kommt Ihnen dieser Tipp schon aus den Ohren raus, weil Sie ihn überall hören, aber es führt kein Weg daran vorbei. Nur durch regelmäßiges Schreiben kommen Sie kontinuierlich vorwärts. Fantastisch tanzen oder Klarinette spielen gelingt ja auch nicht von allein, sondern nur dadurch, dass Sie regelmäßig üben.

Je regelmäßiger Sie schreiben, umso weniger Ausreden werden Sie haben, um NICHT zu schreiben, weil es für Sie genauso zur Gewohnheit werden wird wie Zähneputzen. Wahrscheinlich wird Ihnen schnell etwas fehlen, wenn Sie Ihr tägliches Schreibsoll noch nicht erfüllt haben.

Außerdem hilft Ihnen die Regelmäßigkeit, Ihre Kreativität und Ihr Können zu schärfen. Sie werden bald sehen, dass Ihnen das Schreiben leichter fällt und dass Sie schneller in Ihren Text zurückfinden, wenn Sie sich erneut zum Schreiben hinsetzen.

Noch eine Bemerkung zu festen Schreibzeiten und -orten: Manche Autoren schreiben am liebsten direkt nach dem Aufstehen, andere bevorzugen abends, einige sitzen zuhause am Schreibtisch, andere im Café. Egal wann und wo, probieren Sie einfach aus, was am besten zu Ihnen, Ihrem Lebensstil und Ihrem Text passt. Wichtig ist, dass Sie Ihr gesetztes Wortziel erreichen, egal ob um 5 Uhr morgens am Schreibtisch oder um 22 Uhr abends mit dem Tablet auf dem Sofa.

Aufgabe: Legen Sie fest, wann Sie schreiben wollen und tragen Sie sich Ihre Schreibzeit, gerne mit einer genauen Uhrzeit, in den Kalender ein, so wie Sie auch Meetings, Treffen mit Freunden, Konzertabende oder Ihren Sportkurs eintragen. Was in Ihrem Kalender steht, ist so wichtig, dass Sie weniger Gefahr laufen, es in Ihrem Alltag untergehen zu lassen. 

Tipp Nummer 3: Nutzen Sie jede Gelegenheit zum Schreiben!

Und wenn ich sage „jede“, dann meine ich auch wirklich jede Gelegenheit, auch nachts oder in Situationen, die Sie normalerweise nicht fürs Schreiben einplanen würden. Gerade wenn Ihr Alltag bis auf die Minute durchgetaktet ist, werden Sie dankbar sein für jede Möglichkeit, an der Sie an Ihrem Text weiterarbeiten können, und sei es auch nur um eine Figur zu skizzieren, den Ablauf einer Szene zu notieren oder Fallen für Ihren Protagonisten zu entwerfen.

Wenn ich beispielsweise in der Entwurf- und Schreibphase bin, habe ich immer Notizblock und Stift neben meinem Bett liegen, um nächtliche Geistesblitze und Formulierungen sofort aufzuschreiben. Auch für unterwegs sind Stift und Block ständige Begleiter, die beim Warten auf Busse oder in Sprechzimmern gute Dienste leisten. Auch Smartphones oder Tablets sind in solchen Situationen ideal zum Tippen oder Recherchieren. Und manche haben ohnehin immer ihren Laptop dabei, auf dem sie gleich den ganzen Roman schreiben.

Solche kleinen Extraschreibminuten und Gedankenfetzen summieren sich auf Dauer ganz schnell auf ein ansehnliches Stück Text, das Sie Ihrem Gesamtziel näher bringt. Wenn Sie auf diese Weise nur 70 Wörter extra jeden Tag sammeln, also etwa 10 Sätze, schaffen Sie in einer Woche dadurch fast 500 Wörter zusätzlich; so wächst Ihr Manuskript jeden Monat um weitere 8 Seiten.

Obwohl Ihre oberste Priorität nun darauf liegen sollte, Ihren Text zügig aufzuschreiben, empfehle ich Ihnen, nebenbei ein Auge auf interessante Ausschreibungen und Schreibwettbewerbe zu halten. Es tauchen immer mal wieder Aufrufe auf, deren Themen oder Preise für Sie interessant sein könnten und die Sie deshalb nicht verpassen sollten, und zwar aus drei Gründen:

  1. Solche Wettbewerbe bieten eine Abwechslung für Sie, bei der Sie Schreiberfahrung sammeln und sich an einem anderen Genre ausprobieren können — beispielsweise im Genre Kurzgeschichten bei den Ausschreibungen zu Beiträgen für Anthologien.
  2. Eine erfolgreiche Teilnahme verhilft Ihnen zu mehr Bekanntheit in der Welt des Schreibens und zu einigen Highlights in Ihrer wahrscheinlich noch sehr übersichtlichen Liste von Veröffentlichungen.
  3. Denken Sie früh genug an die Zeit nach Ihrem aktuellen Text! Natürlich sollen Sie kein neues Manuskript parallel dazu anfangen, aber eine Liste mit möglichen Ideen oder Figuren kann sehr praktisch sein, wenn das erste Manuskript vor der Überarbeitung ruht oder abgeschlossen ist.

Aufgabe: Überlegen Sie, wo Sie in Ihrem Tagesablauf Leerlauf haben, den Sie zum Schreiben nutzen könnten! Wie gesagt, muss es sich bei den Ergebnissen dieser Notizzeiten nicht unbedingt um ausformulierte Sätze handeln, die Sie unverändert in Ihr Manuskript übernehmen können. Sammeln Sie alle Einfälle zu Handlung, Figuren, Konflikten, Szenen oder was auch immer Sie gerade oder später in Ihrem Text brauchen, um weiterschreiben zu können. 

Im nächsten Teil der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen steigen wir auf Sprosse 2 der Autorenleiter, auf der sich alles um Schreibtechnik dreht.

Birgit Constant

Birgit Constant ist promovierte Mediävistin mit langjähriger IT-Erfahrung, liebt Sprachen, Sprache und das Schreiben, und liest wahnsinnig gerne vor. Als Wandlerin zwischen den Welten betreibt sie Extremsport auf die sanfte Art und verbindet dadurch Bereiche, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören: deutsch und fremdsprachlich, Groß und Klein, modern und mittelalterlich, Frau und Technik, und noch einiges mehr.

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