Kreatives Schreiben professionell – Teil 3: Schreibtechnik

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Sprosse 3 der Autorenleiter: Schreibtechnik

In diesem dritten Beitrag der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen geht es um Schreibtechnik.

Insbesondere möchte ich Ihnen dabei zeigen, wie Sie Ihren Schreiballtag durch gewisse Kniffe und Hilfsmittel (Software) produktiver und effizienter gestalten. Desweiteren stelle ich Ihnen verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung (Bücher, Podcasts, Kurse) vor und wie Sie das Richtige für sich finden.

Wenn Sie die vorigen Beiträge der Artikelserie durchgearbeitet haben oder schon über eine gewisse Schreiberfahrung verfügen, haben Sie jetzt eine Idee, ein Genre, eine grobe Vorstellung Ihrer Geschichte und Ihrer Hauptcharaktere, ein tägliches Schreibziel, feste Schreibzeiten und optionale Zusatzschreibblöcke.

Falls nicht, schauen Sie noch einmal in Teil 2 der Artikelserie, um die noch fehlenden Zutaten zu ergänzen.

Falls Sie alle Grundlagen zur Hand haben, lesen Sie weiter, wie Sie jetzt Ihre Geschichte entwickeln und aufschreiben.

Kreativer schreiben: Optimierung des Schreiballtags

Neben dem Ausnutzen möglicher Leerlaufzeiten zum Schreiben (mehr dazu in Teil 2 der Artikelserie) lässt sich der Autorenalltag in folgende vier Schreibsituationen optimieren: Starten, Wiederaufnehmen, Vorwärtskommen, Abschließen

Starten – Vor dem Schreiben

Sie haben eine ungefähre Vorstellung davon, wer in Ihrer Geschichte mitspielt und wie die Handlung ablaufen wird. Können Sie jetzt endlich losschreiben? Wenn Sie noch nie ein größeres Schreibprojekt wie einen Roman angegangen sind, dann können Sie wahrscheinlich noch nicht einschätzen, wie viel Planung Sie benötigen, um einen Roman zu schreiben. Je erfahrener Sie sind, umso weniger werden Sie wahrscheinlich planen (müssen) und umso schneller fangen Sie mit dem Schreiben an. Andererseits werden Sie auch dabei an Stellen kommen, an denen die Inspiration – oder Ihre eigenwillige Figur – Sie führt und nicht ihr Plan.

Gerade bei Schreibanfängern halte ich eine genauere Ausarbeitung der Handlung und der Figuren für hilfreich. Das hilft, den roten Faden nicht zu verlieren, verhindert, dass das Schreiben durch belanglose Szenen und unnötigen Füllstoff auswuchert, und ermöglicht ein leichteres Fortsetzen des Schreibens, da ein detaillierter Plan vorliegt, was wann geschieht.

3 Methoden, eine Geschichte zu entwickeln

Es gibt verschiedene Methoden, die sich in ihren zentralen Bestandteilen ähneln, nämlich:

  • Ausgangssituation
  • Konflikt
  • Krise
  • Auflösung

Der Unterschied liegt in der mehr oder weniger detaillierten Struktur, die die einzelnen Methoden vorgeben. Am besten ist es, sich die verschiedenen Methoden selbst anzuschauen und auszuprobieren, wie viel Vorgabe und Struktur man braucht, um eine Geschichte zu entwickeln und aufzuschreiben. Einen guten Überblick bietet Marcus Johanus in seinem Artikel 3-/4-/5-Akte, 7-Punkte und die Heldenreise auf literaturjournal.de.

Ich persönlich finde die von Randy Ingermanson entwickelte Schneeflockenmethode, Englisch The Snowflake Method, sehr praktisch, da man mit ihr nicht nur in die Essenz der Geschichte selbst hineintaucht (wichtig für die bereits besprochene Prämisse sowie das Exposé, über das Sie mehr in Teil 4 der Artikelserie: Veröffentlichen erfahren), sondern auch gleich seine Figuren besser kennenlernt. Außerdem liefern die Erweiterungen des untergliederten Plots sowie der Kapitelzusammenfassungen einiges an Vorarbeit für das eigentliche Schreiben und verkürzen so die Zeit bis zur Fertigstellung des Manuskripts. Man braucht schließlich diese Inhaltsbeschreibung nur noch genauer auszuführen, ohne erst überlegen zu müssen, wie die Geschichte denn nun weitergeht.

Wie funktioniert die Schneeflockenmethode? Ganz einfach: Sie starten mit einem groben, oberflächlichen Ansatz und arbeiten ihn in 10 Schritten immer weiter aus, und zwar folgendermaßen:

  1. Den Kern der Geschichte in einem Satz zusammenfassen: Hier kann die Prämisse helfen, die Sie bereits in Schritt 2 – Grundlagen formuliert haben.
  2. Aus 1 mach 5: Erzählen Sie Ihre Geschichte in fünf Sätzen, nämlich: der Hintergrund, die drei Katastrophen/Wendungen und die Auflösung.
  3. Figuren skizzieren : Stellen Sie Ihre Hauptfiguren grob vor. Dabei sollten Sie folgende Fragen beantworten: Wie heißt die Figur? Was ist die Handlungsgeschichte (Storyline) der Figur in einem Satz? Was ist ihr Motiv und was ihr Ziel? Wo liegt der Hauptkonflikt und welche Veränderung/Entwicklung durchläuft die Figur im Laufe der Geschichte?
  4. Die 5-Satz-Geschichte erweitern: Machen Sie aus jedem Satz aus Schritt 2 einen Absatz und lassen Sie die ersten vier Absätze jeweils in einer Katastrophe enden. Sie sollten etwa eine DIN-A4-Seite füllen und haben damit eine prima Vorlage für das Exposé, das Sie im nächsten Kapitel schreiben werden.
  5. Die Geschichte aus der Sicht Ihrer Hauptfiguren: Erzählen Sie die im vorigen Schritt entwickelte Geschichte aus der Sicht Ihrer Hauptfiguren. Versetzen Sie sich in die Figur, erleben, beobachten und bewerten Sie wie Ihre Hauptfigur es tun würde.
  6. Eintauchen in die Geschichte: Weiten Sie Ihre einseitige Zusammenfassung der Geschichte aus Schritt 4 auf fünf Seiten aus – 1 Seite pro Absatz.
  7. Beschreiben Sie das Äußere Ihrer Figur: Geben Sie Ihren Hauptfiguren eine Vergangenheit, ein soziales Umfeld, einen individuellen Charakter  und nicht zuletzt ein konkretes Aussehen.
  8. Kapitelplan: Schreiben Sie nun die einzelnen Kapitel/Szenen Ihrer Geschichte aus Schritt 6 auf – 1 Satz pro Kapitel/Szene.
  9. Erweiterung der Kapitelzusammenfassungen: Notieren Sie zu jedem Ihrer Kapitel/Szenen, was Ihnen einfällt: Handlung, Dialoge, wichtige Ereignisse. Vor allem aber stellen Sie sicher, dass immer einen Konflikt gibt. Sollte das nicht der Fall sein, erfinden Sie einen oder streichen Sie das Kapitel bzw. die Szene. Dieser Schritt ist übrigens freiwillig. Der Erfinder der Schneeflockenmethode überspringt ihn mittlerweile.
  10. Schreiben Sie den ersten Entwurf!

Denken Sie daran: Alles, was Sie an Vorarbeit in Ihren Romanplot stecken, brauchen Sie nachher nicht mehr zu leisten. Gerade wenn Sie steckenbleiben oder von Ihrer eigentlichen Erzähllinie abkommen – beispielsweise durch nette, aber für die Haupthandlung völlig irrelevante Erlebnisse von Nebencharakteren –, wird Ihnen ein derartiger Plan helfen, schnell wieder auf Ihre Linie zurückzukehren.

Wiederaufnehmen – Zwischen einzelnen Schreibphasen

Ihr Arbeitskonzept steht. Die Struktur Ihrer Geschichte liegt klar vor Ihnen. Sie fangen an zu schreiben und erreichen regelmäßig Ihr tägliches Schreibziel. Doch eines Tages stecken Sie fest. Sie haben keine Idee, wie es in der nächsten Szene oder im nächsten Kapitel weitergeht. Was tun?

Es gibt die verschiedensten Ratschläge, um diese so genannten Schreibblockaden zu überwinden und wieder schnell(er) in den Schreibfluss zu gelangen. Einige davon bespreche ich in meinem Artikel Aller guten Dinge sind 9 – Trainieren Sie Ihre Schreibmuskeln mithilfe dieser Webseiten). Viel besser als im Schreiben stecken zu bleiben und dann nachträglich Schadensbehebung zu betreiben, ist allerdings, solchen Schreibblockaden vorzubeugen.

Dazu möchte ich Ihnen zwei Kniffe vorstellen:

  1. Hören Sie mitten in einer Szene auf, anstatt sie bis zum Ende fertigzuschreiben! So können Sie bei der nächsten Sitzung leichter wieder an das Geschehen anknüpfen.
  2. Anstatt Kapitel für Kapitel linear hintereinander zu schreiben, springen Sie zwischen Kapiteln oder Szenen hin und her. Dies ist eine Taktik, die ich bei meinem ersten historischen Roman erfolgreich eingesetzt habe. Wenn ich nach der zuletzt geschriebenen Szene nicht weiterkam, habe ich einfach eine spätere Szene geschrieben, von der ich schon wusste, was darin passieren sollte. Wenn ich dann eine Idee für die Fortsetzung der letzten Szene hatte, bin ich wieder zurückgesprungen und habe den Faden dort wiederaufgenommen.

Vorwärtskommen – Während des Schreibens

Sie schreiben fleißig, die Arbeit am nächsten Tag wiederaufzunehmen, fällt Ihnen leicht, aber trotzdem kommen Sie manchmal ins Stocken, weil Sie noch über Handlungsdetails oder Formulierungen nachdenken. Auch gibt es zweierlei Hilfe:

  1. Brechen Sie Ihre Romanstruktur im Arbeitskonzept so weit herunter, dass Sie Kapitelzusammenfassungen vorliegen haben, die Sie nur noch mit Details erweitern müssen.
  2. Schalten Sie Ihren inneren Kritiker ab! Er wird zu einem späteren Zeitpunkt genügend Gelegenheit haben, Ihre Text auseinanderzunehmen. Aber erst schreiben Sie – und zwar den kompletten Text! Erst danach lassen Sie Ihren inneren Kritiker heraus und korrigieren und überarbeiten.

Abschließen – Nach dem Schreiben

Sie haben Ihren Text fertig? Hervorragend! Zeit für eine Auszeit! Ja, Sie haben richtig gelesen. Legen Sie den Text weg und widmen Sie sich anderen Dingen, am besten für mindestens 1 Woche, manche empfehlen sogar einen ganzen Monat.

Wichtig ist, dass Sie Abstand von Ihrem Text bekommen. Nur so können Sie mit frischem Auge und Verstand an die Überarbeitung gehen.

Ist Ihre selbst verordnete Auszeit um, dürfen Sie Ihren inneren Kritiker wieder anschalten, der Ihnen nun gezielt Hinweise auf mögliche Schwachstellen in Ihrem Text geben darf. Um die Überarbeitung so einfach, aber wirkungsvoll wie möglich zu machen, sollten Sie folgende Hinweise beachten:

  1. Widerstehen Sie der Versuchung, alles auf einmal zu korrigieren! Machen Sie mehrere Durchläufe.
  2. Drucken Sie Ihr Manuskript mit einem schönen breiten Rand für Korrekturen und Notizen aus!
  3. Überarbeiten Sie in einem gesonderten Korrekturlauf noch einmal gründlich Ihren Romananfang!
  4. Kümmern Sie sich bei Ihrer ersten Überarbeitung nicht um Tippfehler, Grammatik und unschöne Sätze! Sie werden im Verlauf der Überarbeitung Ihren Text immer wieder umschreiben, umstellen oder löschen. Erst ganz zum Schluss kümmern Sie sich um Rechtschreibung, Stil und Grammatik.
  5. Erschrecken Sie sich nicht, wenn Ihr Text nach der Überarbeitung kürzer als vorher sein sollte! Vor allem durch das Löschen überflüssiger Elemente wie Adjektive, Füllwörter, Adverbien gewinnt Ihr Text an Kraft und Ausdrucksfähigkeit.

Wenn Ihnen die unter Punkt 1 genannten Anhaltspunkte für die Überarbeitung nicht reichen, schauen Sie doch einmal in Annika Bühnemanns Buchentstehungsartikel vorbei oder sehen Sie sich Andreas Eschbachs 10-Punkte-Text-ÜV an. Dort finden Sie noch mehr Einzelheiten zu den Überarbeitungsschritten. Andreas Eschbach hat auch einige Häufig Gestellte Fragen seiner Leser zum Thema Überarbeitung beantwortet, die letzte Unklarheiten hoffentlich beseitigen werden. 

Besser schreiben: Weiterbildung für Autoren

Marcus Johanus und Axel Hollmann haben dazu auf Ihrem YouTube-Kanal „Die Schreibdilettanten“ ein schönes Einstiegsvideo veröffentlicht, dessen Tenor ich absolut zustimme: Höre nie auf zu lernen!

Starten Sie zunächst mit Ratgebern und Materialien zum Romanschreiben allgemein, beispielsweise zum Aufbau eines Romans, wie man glaubhafte und interessante Figuren entwirft, welche Erzählperspektive man wählt, wie Sie Orte und Personen beschreiben und wie Dialoge aufgebaut sind.

Sie werden sehen, dass im Laufe des Schreibens automatisch weitere Fragen auftauchen, zu denen Sie gezieltere oder weiterführende Antworten brauchen, wie man beispielsweise Spannung aufbaut oder Personen durch Dialoge charakterisiert.

So schön das Suchen nach Antworten in Büchern und im Internet sein mag, vergessen Sie nicht, dass Sie in erster Linie schreiben müssen, um zu lernen! Nur durch Übung bekommen Sie die Erfahrung, wie Sie gewissen Vorgaben umsetzen.

Neben dem Schreiben sollten Sie außerdem viel lesen – und zwar keine Ratgeber, sondern Romane. Lesen Sie mit dem Auge eines Autors und schauen Sie sich die Kniffe und Tricks von den Profis ab. Seien Sie nicht traurig, wenn Sie dabei ein langweiliges Buch erwischt haben! Auch daraus können Sie lernen – nämlich wie man es NICHT machen sollte. 

Wenn Sie sich zusätzlich für eine Weiterbildung entscheiden, stehen Sie zunächst vor der Frage, ob Sie in Eigenregie lernen (Selbstlernen) oder ob Sie eine Anleitung bzw. Rückmeldung brauchen. Schauen wir uns die beiden Bereiche einmal an:

Selbstlernen

Egal, ob man Text, Audio oder Video bevorzugt, es ist für jeden etwas dabei:

  • Schreibratgeber, gedruckt oder als e-Book
  • Websites
  • Podcasts
  • YouTube-Kanäle
  • Online-Kurse
Vorteile:

Flexibilität: Man kann zu jeder beliebigen Zeit, an jedem beliebigen Ort und in seinem eigenen Tempo die Inhalte konsumieren.

Vielfalt: Den Themen sind keine Grenzen gesetzt: Allgemeines zum Plotten oder Figurenentwurf, gezielte Hilfe beim Dialogeschreiben oder beim Tweaken des Romananfangs, Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu Veröffentlichen..

Kosten: Viele Inhalte, insbesondere Websites, Podcasts und YouTube-Kanäle, gibt es kostenlos. Auch viele Schreibratgeber und Online-Kurse kosten nicht die Welt, sagen wir bis 30 Euro, so dass man sein Geld in andere Dinge, wie beispielsweise Schreibsoftware (mehr dazu weiter unten), investieren kann.

Nachteile:

Fehlende Rückmeldung: Selbstlernmaterialien sind günstig, weil sie, einmal erstellt, keinen weiteren Input vom Hersteller benötigen. Der Lernende muss den Stoff selbst durcharbeiten und erhält am Schluss keine Bewertung seiner Umsetzung des Gelernten.

Selbstdisziplin: Ohne feste Lernzeiten und Abgabetermine liegt es an einem selbst, den Text durchzulesen, die Sendungen anzuhören oder anzuschauen bzw. das Gelernte anzuwenden. Schlimmstenfalls verliert man die Lust am Schreiben und gibt auf.

Geeignet für Autorinnen, die folgendes Ziel haben:
        • einen ersten Überblick über die Schreiblandschaft erhalten
        • ausloten, was es gibt, was einem gefällt und sich gut in den Alltag integrieren lässt
        • kostenlos oder mit geringem finanziellem Einsatz ins professionelle Schreiben starten
        • Antworten auf spezifische Schreibfragen finden
Wie finde ich das Richtige?

Das hängt von Ihren Vorlieben, Ihrem Ziel und Ihrem Zeitrahmen ab. Hier ein paar Vorschläge und Empfehlungen:

Bevorzugen Sie Geschriebenes, bei dem Sie sich das heraussuchen können, was Sie gerade brauchen, und immer wieder Sachen nachschlagen können?

Bücher:

Diana Hillebrand: Heute schon geschrieben?

Hans Peter Roentgen: Vier Seiten für ein Halleluja bzw. Spannung. Der Unterleib der Literatur

Websites:

vomschreibenleben.de

xojulia.de – Hier können Sie sich auch für einen kostenlosen Minischreibkurs mit Videolektionen registrieren.

Lieben Sie Videos?

YouTube-Kanal von Marcus Johanus und Axel Hollmann (Die Schreibdilettanten)

Gratis-Videos von Textehexe Susanne Pavlovic

Pendeln Sie oft und regelmäßig und können dabei aber nicht lesen?

Hier würde ich Ihnen gerne einen Podcast empfehlen, aber ich habe keine eigene Erfahrungen mit Podcasts für Schreibanfänger. Vielleicht finden Sie aber etwas Passendes in der Übersicht mit aktuellen Podcasts für Autoren (Stand: Dezember 2018) von Florian Führen.

Sind Sie unsicher, wo Sie Hilfe brauchen und nach was Sie in Büchern, Podcasts oder Videos suchen sollten?

In diesem Fall würde ich Ihnen dringend zum Lernen unter Anleitung anraten. Das kostet am Anfang vielleicht mehr als niedrigpreisiges Lernmaterial aus diesem Abschnitt, aber es spart Ihnen viel Zeit und möglicherweise fehlinvestiertes Geld.

Lernen mit Anleitung bzw. Rückmeldung

Wer unsicher ist, wie er an das professionelle Schreiben eines Buches herangehen soll, gerne in der Gruppe schreibt oder unmittelbare Rückmeldung zu seinen Gedanken und Texten braucht, der sollte einen Blick auf höherpreisige Weiterbildungen werfen:

        • 1-zu-1-Kurse für Autoren
        • Workshops und Seminare in der Gruppe
        • (Schnupper-)Lektorate

Wer es interaktiv mag, der ist in Kursen und Seminaren gut aufgehoben. Einseitiger, aber nicht minder effektiv, verläuft das (Schnupper-)Lektorat durch einen professionellen Autor oder Lektor, der sich Ihren Text, aber auch Ihr Exposé anschaut und dazu Rückmeldung gibt.

Vorteile:

Struktur: Wer unter Anleitung lernt, erhält meist von außen einen Plan vorgegeben, anhand dessen man gemeinsam auf das festgelegte Ziel zusteuert.

Resultate: Gerade individuelle Schreibkurse zielen auf ein bestimmtes Endresultat mit Fokus auf dem Anwenden und der Umsetzung hin.

Fokus: Lektorate treffen punktgenau die wunden Stellen eines Textes und bieten Verbesserungsvorschläge an. Beim Lernen mit Anleitung wird die Aufmerksamkeit außerdem gezielt auf einen einzigen Bereich gelenkt, an dem konzentriert gearbeitet wird.

Sozialer Aspekt: Man lernt die Profis persönlich kennen oder trifft in Schreibseminaren auf Gleichgesinnte.

Nachteile:

Kosten: Während Schreibseminare oder -Workshops an der VHS meist nicht mehr als zwei günstige, gedruckte Schreibratgeber kosten, können individuelle Kurse bei gestandenen Autoren schon mit höheren dreistelligen Summen ins Geld gehen.

Leistungsdruck: Hier müssen Sie schreiben und das Gelernte umgehend anwenden – und zwar mit Abgabetermin und Längenvorgabe.

Geeignet für Autorinnen, die folgendes Ziel haben:
        • Schreibfertigkeiten gezielt verbessern
        • schnell ein Projekt vorwärtsbringen
        • qualifizierte Rückmeldung zu eigenen Texten von Schreibprofis erhalten
Wie finde ich das Richtige?

Ganz besonders bei kostenpflichtigen Angeboten ist es wichtig, dass Sie sich fragen, was Sie jetzt oder in naher Zukunft brauchen! Ein Kurs zur Buchvermarktung nützt Ihnen beispielsweise aktuell herzlich wenig, wenn Sie noch nie ein Buch geschrieben haben. Investieren Sie stattdessen das Geld lieber in einen Schreibkurs, in dem Sie Ihre Idee in ein Arbeitskonzept verwandeln und die Figuren entwerfen.

Zeitrahmen und Kosten

Lektorate benötigen am wenigsten Zeit von Ihnen. Sie schicken Ihren Text zum Lektor und fertig. Preislich reichen Lektorate vom kostenlosen oder preiswerten Schnupperlektorat von 5 bis 10 Seiten über niedrige dreistellige Beträge für Exposé oder längere Textauszüge bis hin zu vierstelligen Beträgen für komplette Manuskripte.

Workshops und Seminare finden Sie als mehrstündige bis mehrtägige — meist einen ganzen Tag oder ein Wochenende — Veranstaltungen bei der VHS, bei Autorenschulen wie der Textmanufaktur oder bei erfahrenen Autoren wie Diana Hillebrand. VHS-Seminare kosten meist um die 30 Euro; mehrtägige Schreibkurse bis zu ein paar hundert Euro.

Schreibkurse von professionellen Schreibtrainern wie Rainer Wekwerth, Diana Hillebrand oder der Textmanufaktur sind zeit- und kostenintensiv, bieten aber eine individuelle Betreuung von Ihnen als Autorin und eine individuelle Beurteilung von Ihrem Text. Dafür müssen Sie allerdings mit drei- bis vierstelligen Beträgen rechnen.

Empfehlungen

Lektorate/Text-Coaching, die ich selbst in Anspruch genommen habe:

Exposé-Lektorat von Stephan Waldscheidt

Text-Coaching von Textehexe Susanne Pavlovic

Tipp: Das Schnupperlektorat von Hans Peter Roentgen hat mich im Gegensatz zu den Rückmeldungen von Stephan Waldscheidt und Susanne Pavlovic nicht viel weitergebracht. Viel hilfreicher finde ich seine Bücher, in denen er handverlesene Textstellen lektoriert und Verbesserungsvorschläge gibt, die man dann auf seinen eigenen Text anwenden kann.

Fernlernkurse, die ich selbst oder Freunde belegt haben:

Schreibkurse bei Rainer Wekwerth

18-monatiges Fernstudium bei der Textmanufaktur

Präsenzkurse:

Schreibkurse von Barbara Krohn in Regensburg und Landshut (aus einem dieser Kurse ist meine Schreibgruppe entstanden)

Schreibkurse in München von Diana Hillebrand

Tipp: Gerade am Anfang machen Sie durch das Einholen professioneller Hilfe einen riesigen Entwicklungssprung. Je mehr Schreiberfahrung Sie sammeln, umso besser können Sie unter der Flut von Selbstlernmaterialien auswählen und entscheiden, welche für Ihren derzeitigen Kenntnisstand am besten geeignet sind. Eine gesunde Mischung aus angeleitetem und selbständigem Schreiben ist wahrscheinlich am effektivsten, um schnell ansprechende Ergebnisse zu erzielen.

Vernetzung

Schreiben ist ein einsamer Beruf, also suchen Sie regelmäßig den Austausch mit Gleichgesinnten. Lernen Sie von anderen, teilen Sie Ihr Wissen, unterstützen Sie sich gegenseitig bei Ihren Projekten und in Krisenzeiten!

Hier treffen Sie andere Autoren:

        • Schreibgruppen vor Ort
        • Autorenforen online
        • Messen/Autorentreffen
        • Autorenreise

Weiterführende Links:

Effizienter schreiben: Tools und Software

Schreibprogramme

Wenn Ihnen die Herumscrollerei in Ihrer Textverarbeitung sowie die fehlenden Möglichkeiten zur komfortablen Verwaltung von Kapiteln, Szenen, Handlungssträngen, Figuren und Recherchematerial in ein und derselben Datei genauso auf die Nerven gehen wie mir und vielen anderen Kollegen, dann sollten Sie über eine spezielle Schreib-Software nachdenken.

Eine Übersicht gängiger Programme für Autoren finden Sie auf Matthias Mattings Selfpublisherbibel, Annika Bühnemanns Schreibblog und (in Englisch) auf einer Nachschlageseite für alternative Programme (Suche nach: Alternative zu Papyrus Autor). Die beiden große Konkurrenten zu Word sind dabei Scrivener und Papyrus Autor. Letzteres wurde von einer deutschen Firma zusammen mit Andreas Eschbach entwickelt, während Scrivener aus dem amerikanischen Markt stammt.

Wie finden Sie die richtige Software?

Testen Sie! Nur weil Scrivener und Papyrus Autor die Platzhirsche sind, heißt das nicht, dass auch Sie sie benutzen müssen. Vielleicht sind Ihnen die Programme zu aufgebläht mit ihren vielen Funktionen. Vielleicht benötigen Sie nur eine übersichtlichere Textverarbeitung. Vielleicht sind Ihnen die Programme zu teuer, und Sie möchten lieber (erst einmal) eine kostenlose Software.

Die oben genannten Seiten liefern Ihnen einen guten Überblick über Funktionen, Preis, Vor- und Nachteile der angeführten Programme. Soweit ich weiß, können Sie alle Programme kostenlos testen, bevor Sie sie gegebenenfalls kaufen. Warum meine Wahl auf Scrivener gefallen ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Lexika, Nachschlagewerke und Recherche

Irgendwann kommt der Punkt, an dem Sie eine Schreibweise nachschlagen müssen, ein Synonym suchen oder etwas recherchieren müssen. Ich benutze vor allem zwei Online-Tools, die auch Ihnen sicher nützen werden:

Duden Online: meine erste Anlaufstelle für Rechtschreibung und Synonyme. Die Rechtschreibkorrektur ist in Papyrus Autor integriert.

Internet Archive: Hier finden Sie alles, was jemals online an Webseiten, Texten, Filmen, Audio, Software oder Bildern herumgeschwirrt ist. Wenn Sie beispielsweise Originaltexte oder Hintergrundmaterial aus früheren Epochen benötigen, sind Sie hier genau richtig.

Unbedingt vorbeischauen sollten Sie auch noch auf zwei Seiten von Autor-Blogger Sven Lennartz, der eine Liste mit Online-Tools speziell zu Rechtschreibung, Grammatik und Lesbarkeitsanalyse sowie verschiedenste Online-Helfer zur Arbeit mit und am Wort für Autoren zusammengestellt hat.

Tipp: Die Kosten für Weiterbildung, Fachliteratur, Schreib-Software (und -Hardware!) können Sie von der Steuer absetzen. Heben Sie also Ihre Belege und Rechnungen gut auf! Mehr dazu in Teil 7: Formalitäten.

Im vierten Teil der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen steigen wir auf Sprosse 4 der Autorenleiter, auf der sich alles ums Veröffentlichen dreht.

Alle Beiträge der Artikelserie:

      1. Vorüberlegungen
      2. Grundlagen
      3. Schreibtechnik
      4. Veröffentlichen
      5. Buch-Marketing
      6. Ihre Autoren-Website
      7. Formalitäten

Buchcover des Autorenratgebers „Autor werden: In sieben Schritten von der Buchidee zum freiberuflichen Schriftsteller“ von Dr. Birgit ConstantSie wollen alle Beiträge in einem handlichen Format zum Nachschlagen? Die gesamte Serie gibt es ausführlicher und mit vielen Aufgaben und Checklisten unter dem Titel Autor werden: In sieben Schritten von der Buchidee zum freiberuflichen Schriftsteller als Taschenbuch und als E-Book.