Kreatives Schreiben professionell – Teil 4: Veröffentlichen

Sprosse 4 der Autorenleiter: Veröffentlichen

In diesem vierten Beitrag der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen geht es ums Veröffentlichen.

Wenn Sie die vorigen Beiträge der Artikelserie durchgearbeitet haben oder schon über eine gewisse Schreiberfahrung verfügen, haben Sie jetzt ein Romankonzept und idealerweise ein fertiges Manuskript vorliegen. Wie Sie Ihren Text an die Öffentlichkeit bringen, lesen Sie in diesem Artikel.

Feinschliff vor dem Veröffentlichen – Einer ist nicht genug: Überarbeitungszyklen und Testleser 

Erinnern Sie sich, wie Sie Ihren inneren Kritiker während des Schreibens des Entwurfs stummgeschaltet haben? Jetzt ist die Zeit gekommen, ihn wieder herauszulassen. Er darf endlich nach Herzenslust am gesamten Text herummäkeln, Fehler und unschöne Formulierungen anstreichen und Ihnen Überdenken, Umschreiben und Recherche aufbrummen. Was für ein Tag!

Der Blick von außen – Warum Testleser nützlich sind

Im vorigen Teil 3: Schreibtechnik habe ich Ihnen bereits den Prozess des Überarbeitens umrissen und weiterführende Links zum Thema gegeben.

Ein wichtiger Teil bei der Überarbeitung ist neben Ihrer gesunden Fähigkeit zur Selbstkritik – lesen Sie Ihren Text, als wäre er von jemand anderem geschrieben! – der Blick eines Unbeteiligten auf Ihren Text. Um Ihr Manuskript vorlage- bzw. veröffentlichungsreif zu machen, benötigen Sie allerdings mehr als ein „Das ist richtig gut!“ von Freunden und Familie – Sie brauchen handfeste und gezielte Kritik, mit denen Sie die letzten Schwächen des Textes beseitigen können, bevor sie ihn veröffentlichen.

Holen Sie dafür Testleser ins Boot, und zwar idealerweise:
  1. mehr als einen, damit Sie einen ausgewogenen Blick über Schwachstellen bekommen, wobei zwischen drei und fünf Testlesern völlig ausreichen. Eine ungerade Zahl an Testlesern verhindert, dass es zu Gleichständen bei Kritikpunkten kommt.
  2. schreib-, lese- und/oder lektoratserfahren. Gute Testleser können Ihnen nicht nur sagen, was an Ihrem Text verbesserungswürdig ist, sondern auch warum das so ist und eventuell sogar wie Sie den Fehler beheben.
  3. aus der Zielgruppe Ihres Romans. Dadurch können Sie schon vor der Veröffentlichung erkennen, ob Sie den Nerv Ihres Zielpublikums getroffen haben.

Wo finde ich Testleser und wie funktioniert das mit dem Testlesen?

Testleser finden Sie beispielsweise:

  • unter Schreibkollegen aus Kursen, die Sie besucht haben, oder von Messen, wo Sie sie getroffen haben
  • unter den Mitgliedern Ihrer Schreibgruppe oder Ihres Autorenforums im Netz
  • unter den Besuchern/Followern Ihrer Website oder Ihrer Profile in Sozialen Medien
  • in den entsprechenden Interessensgruppen auf Xing, Facebook etc.

Wann sollte ich Testleser einbinden?

So früh wie möglich, aber normalerweise nicht vor dem Abschluss Ihrer eigenen Überarbeitung. Ausnahme: Sie sind sich unsicher, ob Ihre Idee und die Art, wie Sie schreiben, überhaupt funktionieren. In diesem Fall sollten Sie schon während des Entwurfs ein oder zwei erfahrene Testleser miteinbeziehen, die die ersten Seiten Ihres Textes – 5 bis maximal 30 reichen auf alle Fälle schon aus – auf solche grundlegenden Elemente abklopfen können. In diesem Stadium lässt sich ohne viel Aufwand noch vieles ändern und anpassen; wenn der halbe (oder ganze) Text schon steht, ist es aufwändig, Plot, Figuren oder ganze Szenen umzuschreiben.

Wie funktioniert Testlesen?

  • Per Textverarbeitung: einfach und effizient, direkt am Rechner zu korrigieren und durchzuarbeiten, kostengünstiger Versand
  • Ausdruck auf Papier: besonders bei umfangreichen Manuskripten angebracht, Übergabe persönlich oder per Post
  • Im Internet veröffentlichen: einfaches Hochladen an einen großen Leserkreis in Foren, Mitgliederbereichen und geschlossenen Gruppen; Nachteile: möglicherweise sehr viele konträre und/oder unqualifizierte Rückmeldungen, wegen öffentlichem Zugriff kaum mehr an einen Verlag vermittelbar

Was kosten Testleser?

Wenig, wenn Sie nicht einen professionellen Lektor gegen Bezahlung beauftragen. Als Vergütung könnten Sie beispielsweise Folgendes anbieten: 

  • einen Eintrag in der Danksagung Ihres Romans
  • ein Exemplar des veröffentlichten Buches, als E-Book oder gedruckt, gegebenenfalls mit Widmung
  • selbst als Testleser für ihre Texte zu fungieren

Zusatzmaterialien zum Veröffentlichen: 1. Das Exposé – Ihr Roman im Kurzformat

Spätestens, wenn Sie Ihren Text einer Literaturagentur, einem Verlag oder Lektor vorlegen wollen, kommen Sie um ein Exposé und eventuell einen Pitch nicht herum.

Was ist ein Exposé?

Ein Exposé ist die Zusammenfassung Ihres Romans auf 1 bis maximal 5 Seiten. Dazu gehören:

  1. Allgemeine Fakten: Ihr Name, Adresse und Kontaktdaten (E-Mail-Adresse reicht); Arbeitstitel – dieser kann bei einer Veröffentlichung vom Verlag geändert werden –, Zeichenanzahl mit Leerzeichen; Genre
  2. Zusammenfassung der Handlung: Beschränken Sie sich auf die grobe Struktur mit Anfang, Wendepunkten, Konflikten und Auflösung – hier kommt Ihnen die Kapitelübersicht zugute, die Sie bei der Erstellung eines Arbeitskonzeptes entwerfen – siehe Teil 3: Schreibtechnik – Vor dem Schreiben. Sollten Sie kein Arbeitskonzept haben, sehen Sie spätestens bei dieser Zusammenfassung, wo Lücken und Probleme in Ihrem Text auftreten
  3. Nennung der wichtigsten Figuren: Protagonistin, Antagonistin und eventuell noch ein oder zwei andere, für die Handlung essentielle Figuren, deren wichtigste Züge Sie kurz (!) skizzieren

Wichtig: Das Ende Ihres Romans gehört unbedingt mit ins Exposé. Lassen Sie den zuständigen Lektor nicht raten, wie Ihr Roman ausgehen könnte! Zur Beurteilung, ob es sich lohnen könnte, Ihren Roman zu veröffentlichen, benötigt der Lektor einen vollständigen Überblick über die Handlung.

Tipp: Schauen Sie in Hans Peter Roentgens Buch Drei Seiten für ein Exposé hinein! Roentgen ist langjähriger Lektor, der sowohl online als auch in seinen Büchern offline Textstellen lektoriert und Stück für Stück deren Schwächen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt.

Zusatzmaterialien zum Veröffentlichen: 2. Der Pitch – ein Roman in einem Satz

Haben Sie jetzt gerade nach Luft geschnappt? Sollen Sie den Text, den Sie in den letzten Monaten mühevoll geschrieben und mehrfach überarbeitet haben, wirklich in einen einzigen Satz quetschen? Ja, das sollen Sie! Unmöglich? Nein. Aber es braucht ein wenig Übung oder mehrere Anläufe, um wirklich den Kern Ihres Romans zu treffen.

(Warum) Brauchen Sie einen Pitch?

  • Sie können ihn im Exposé vor der Zusammenfassung der Handlung als hochkonzentrierte Inhaltsangabe nutzen.
  • Er ist die beste Art, kurz und knackig für Ihren Roman zu werben, wenn Sie jemand fragt, worum es in Ihrem Roman geht.

Was ist der Unterschied zwischen Prämisse und Pitch?

Die Prämisse ist sozusagen die Moral von der Geschicht’. Der Pitch fasst die Handlung kompakt zusammen, mit der Sie diese Prämisse zum Ausdruck bringen.

Wie schreibe ich einen Pitch?

Indem Sie Ihre Romanhandlung soweit konzentrieren, dass sie am Ende in maximal zwei Sätze, besser noch: in einen einzigen Satz hineinpasst. Machen Sie Stichpunkte zu ihren beiden Hauptfiguren (Protagonist/Antagonist), deren Zielen und dem Thema bzw. der Prämisse Ihres Romans und versuchen Sie, diese Punkte in so wenig Sätzen wie möglich unterzubekommen.

Beispiele finden Sie bei Annika Bühnemann die das Schreiben eines Pitchs am Beispiel von Harry Potter illustriert oder bei Jurenka Jurk, die sich dem Thema Pitch anhand des Films Erin Brokovich widmet.

Zusatzmaterialien zum Veröffentlichen: 3. Der Klappentext – für Verlagsautoren und Selbstverleger ein Muss!

Exposé und Pitch brauchen vor allem zukünftige Verlagsautoren, um ihr Manuskript an einen Literaturagenten oder eine Verlagslektorin zu verkaufen. Wer seinen Roman jedoch an den Leser bringen will, kommt, neben einem ansprechenden Buchcover und einem guten Lektorat, um den Klappentext, also das, was auf der Rückseite des Buches steht, nicht herum. Bei Verlagsautoren kümmert sich meist der Verlag um Lektorat, Cover und Klappentext. Self-Publisher müssen an dieser Stelle selbst Hand anlegen.

Wie schreibe ich einen Klappentext?

Der Klappentext muss so viel von der Geschichte verraten, dass ein Leser gerne mehr erfahren und das Buch lesen würde. Starten Sie mit Ihrer Hauptfigur und wie Sie aus der Normalität in die Krise geschleudert wird, die sie im Roman überwinden muss. Falls Sie schon ein Exposé haben – und das sollten Sie, bevor Sie überhaupt an einen Klappentext denken! –, nehmen Sie dieses als Grundlage und kürzen Sie es auf 200 bis 500 Zeichen. Selbstverständlich sollten Sie dabei unbedingt das Ende offen lassen, damit der Leser Ihres Klappentextes einen Anreiz bekommt, das Buch zu kaufen.

Wenn Sie Anregung brauchen, lesen Sie sich die Klappentexte der Bücher durch, die Sie gekauft haben, und überlegen Sie, warum Sie das getan haben! Welcher Satz im Klappentext hat Sie dazu bewegt? War es die spannende Figurenkonstellation, der Cliffhanger am Ende des Textes, ein lobendes Zitat aus einer großen Zeitung?

Tipp: Für die kleinen Texte rund ums Buch steht Ihnen erneut Hans Peter Roentgen mit seinem Buch Klappentext, Pitch und anderes Getier helfend zur Seite. Lesen Sie auch das Interview, das er mit Madeleine Puljic, Gewinnerin des Deutschen Self-Publishing-Preises 2017, zum Thema Klappentext und Pitch geführt hat.

Verlag oder Self-Publishing – Wo soll ich veröffentlichen?

Ihr Manuskript soll raus aus der Schublade und in die Welt hinein, aber wie? Gehen Sie den klassischen Weg und suchen Sie sich einen Verlag? Oder nehmen Sie Ihr Glück selbst in die Hand und verlegen Ihr Buch selbst?

Sehen wir uns einmal die Vor- und Nachteile der beiden Veröffentlichunswege an!

Verlag

Vorteile

  • kümmert sich um und bezahlt Lektorat, Korrektorat, Buchcover, Buchsatz und, zumindest zu einem gewissen Grad, Marketing
  • verhandelt andere Veröffentlichungsformen sowie ausländische Lizenzen
  • wird bei Schreibwettbewerben, Autorenvereinigungen, Literaturstipendien und ähnlichem problemlos als Veröffentlichung akzeptiert
  • Autor erhält, außer bei Kleinverlagen, einen nicht zurückzuzahlenden Vorschuss

Nachteile

  • lange Zeitspanne, ein Jahr oder länger, von Manuskripteinsendung bis zur Veröffentlichung, abhängig von Verlagsgröße, Verlagsprogramm und Dauer der einzelnen Korrekturschleifen
  • Erfolgschancen ungefragt eingesandter Manuskripte gehen gleich Null
  • Einstieg meist nur über eine Literaturagentur möglich; auch hier kann es Monate bis zur Annahme dauern

Tipp: Seien Sie auf der Hut, wenn ein Verlag explizit nach neuen Autoren und Manuskripten sucht, denn Werbung solcher Art machen nur Druckkostenzuschussverlage, auch DKZV genannt. Diese Verlage verlangen von Ihnen Geld für verschiedenste Dienstleistungen, die Ihnen jeder reguläre Verlag kostenfrei bietet. Sie sollten nicht dafür bezahlen, um bei einem Verlag zu veröffentlichen! Im Autorenforum Montsegur finden Sie eine Liste bekannter DKZV, leider schon etwas in die Jahre gekommen.

Self-Publishing

Vorteile

  • keine umständliche, langwierige, frustrierende und womöglich erfolglose Suche nach einem Verlag oder einer Agentur
  • keine Abhängigkeit von Vorgaben für Genre, Thema, Inhalte, Programmplanung, um seinen Text zu veröffentlichen
  • Veröffentlichungsprozess vom fertigen Manuskript zum käuflichen Buch dauert nur wenige Wochen oder Monate
  • Entscheidung über Buchtitel, Cover und Texte liegt allein beim Autor

Nachteile

  • Autor muss Kosten im unteren vierstelligen Bereich für Lektorat, Cover und was noch vorschießen
  • Verantwortung, Kosten und Planung fürs Marketing trägt allein der Autor
  • sämtliche Verlagsaufgaben muss der Autor selbst übernehmen, darunter auch Buchsatz und Layout, die von der jeweiligen Veröffentlichungsplattform vorgeschrieben werden — hier kann ein professionelles Schreibprogramm helfen, das den Text automatisch ins korekte Format konvertiert
  • gilt immer noch nicht überall als anerkannte Veröffentlichung, die für den Zugang zu Ausschreibungen oder Literaturverbänden benötigt wird
  • erfordert einen Gewerbeschein

Tipp: Sollten Sie auch nur im entferntesten mit dem Gedanken spielen, Ihre Bücher selbst zu veröffentlichen, dann kommen Sie in Deutschland an einer Website nicht vorbei: selfpublisherbibel.de. Hier sammelt und schreibt Matthias Matting alles zum Thema Self-Publishing für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Ob Technik, Tools, Veröffentlichungsplattformen, Buchmarketing und — detailliert und allgemein verständlich, aber mit entsprechendem Caveat versehen, da Matting weder Finanz- noch Rechtsberater ist — Steuern und Recht.

Literaturagenturen

Haben Sie sich entschieden, dass Sie im Moment gern als Verlagsautorin veröffentlichen wollen, dann haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Sie suchen sich eine Literaturagentur, insbesondere, wenn Sie in die großen Publikumsverlage wollen.
  2. Sie machen sich eine Liste mit kleinen und mittelgroßen Verlagen, denen Sie Ihr Manuskript anbieten können.

Wie finde ich eine Literaturagentur oder einen Verlag?

Da hilft nur eins: Suchen!

Auf autorenwelt.de finden Sie eine Tabelle mit Literaturagenturen und Verlagen, die Sie nach Ihrem Genre durchsuchen können.

Aus demselben Haus, nämlich dem Uschtrin-Verlag, stammt auch das Handbuch für Autorinnen und Autoren, das nicht nur zur Verlags- und Agentursuche ein absolutes Muss für Autoren ist.

Wie bewerbe ich mich und was muss ich einreichen?

Gehen Sie auf die Website der Agentur oder des Verlags. Dort gibt es üblicherweise einen Bereich für Manuskripteinsendungen, in dem aufgelistet wird, was Sie einschicken sollen. Befolgen Sie diese Anweisungen genau! Ansonsten laufen Sie Gefahr, wegen unvollständiger Unterlagen aussortiert zu werden, bevor die Lektorin überhaupt einen Blick in Ihr Manuskript geworfen hat.

Generell werden bei Einsendungen das Exposé, eine Leseprobe von 20 bis 30 Seiten und eventuell eine Kurzvita gefordert. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Buch ins Verlagsprogramm oder das Spektrum der Agentur passt, rufen Sie dort an und fragen Sie nach. Halten Sie Ihren Pitch bereit, den Sie weiter oben erstellt haben! Er könnte Ihnen an dieser Stelle gute Dienste leisten.

Im fünften Teil der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen steigen wir auf Sprosse 5 der Autorenleiter, auf der sich alles um Buch-Marketing dreht.

Alle Beiträge der Artikelserie:

  1. Vorüberlegungen
  2. Grundlagen
  3. Schreibtechnik
  4. Veröffentlichen
  5. Buch-Marketing
  6. Ihre Autoren-Website
  7. Formalitäten

Buchcover des Autorenratgebers „Autor werden: In sieben Schritten von der Buchidee zum freiberuflichen Schriftsteller“ von Dr. Birgit ConstantSie wollen alle Beiträge in einem handlichen Format zum Nachschlagen? Die gesamte Serie gibt es ausführlicher und mit vielen Aufgaben und Checklisten unter dem Titel Autor werden: In sieben Schritten von der Buchidee zum freiberuflichen Schriftsteller als Taschenbuch und demnächst auch als E-Book.