Kreatives Schreiben professionell – Teil 4: Veröffentlichen

Sprosse 4 der Autorenleiter: Veröffentlichen

In diesem vierten Beitrag der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen geht es ums Veröffentlichen.

Wenn Sie die Aufgaben aus den vorigen Beiträgen der Artikelserie bearbeitet haben oder schon über eine gewisse Schreiberfahrung verfügen, haben Sie jetzt ein Romankonzept und idealerweise ein fertiges Manuskript vorliegen. Wie Sie Ihren Text nun an die Öffentlichkeit bringen, lesen Sie in diesem Artikel.

Einer ist nicht genug: Überarbeitungszyklen und Testleser 

Erinnern Sie sich, wie Sie Ihren inneren Kritiker während des Schreibens des Entwurfs stummgeschaltet haben? Jetzt ist die Zeit gekommen, ihn wieder herauszulassen. Er darf endlich nach Herzenslust am gesamten Text herummäkeln, Fehler und unschöne Formulierungen anstreichen und Ihnen Überdenken, Umschreiben und Recherche aufbrummen. Was für ein Tag!

Der Blick von außen – Warum Testleser nützlich sind

Im vorigen Teil 3: Schreibtechnik habe ich Ihnen bereits den Prozess des Überarbeitens umrissen und weiterführende Links zum Thema gegeben. Wenn Sie noch am Anfang Ihrer Schreibkarriere stehen, werden Sie einiges an Arbeit vor sich haben, um den Entwurf in eine für die Öffentlichkeit lesbare Form zu bringen. Mein erster Roman ging durch sage und schreibe 11 (!) Überarbeitungsschritte, plus gesonderte Bearbeitung des Romananfangs, bevor ich ihn an Literaturagenturen geschickt habe.

Zu meiner Verteidigung muss ich hinzufügen, dass ich quasi für jeden Überarbeitungsschritt eine neue Version des Dokuments angelegt habe, also eine für Figuren, eine für Beschreibungen, eine für Dialoge, eine für Lesbarkeit, eine für Recherchelöcher, etc. Falls bei einem Durchgang etwas schiefgelaufen wäre, hätte ich dadurch immer eine unbeschadete und nur gering veränderte Vorgängerversion des Textes gehabt, auf die ich hätte zurückgreifen können. Die Überarbeitung des zweiten Romans wird mit weniger Schritten auskommen.

Ein wichtiger Teil bei der Überarbeitung ist neben Ihrer gesunden Fähigkeit zur Selbstkritik – lesen Sie Ihren Text, als wäre er von jemand anderem geschrieben! – der Blick eines Unbeteiligten auf Ihren Text.

Sie brauchen Testleser, und zwar mehr als einen!

Natürlich können Sie, wenn Sie mit der überarbeiteten Version zufrieden sind, das Manuskript an Familie und Freunde verteilen, aber jeder Beitrag zum Thema Überarbeitung warnt vor diesem Schritt. Um Ihr Manuskript vorlage- bzw. veröffentlichungsreif zu machen, benötigen Sie nämlich mehr als einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter und ein „Das ist richtig gut!“ – Sie brauchen handfeste und gezielte Kritik, mit denen Sie die letzten Schwächen des Textes beseitigen können.

Holen Sie dafür Testleser ins Boot, und zwar idealerweise:

  1. mehr als einen, damit Sie einen ausgewogenen Blick über Schwachstellen bekommen: Was ein Testleser anstreicht, fällt dem anderen womöglich gar nicht auf. In diesem Fall sollten Sie abwägen, ob Sie die Kritik annehmen oder ignorieren. Eine ungerade Zahl an Testlesern verhindert, dass es zu Gleichständen bei Kritikpunkten kommt, und erleichtert Ihnen die Entscheidung, vor allem, wenn alle denselben Aspekt bemängeln. Aber übertreiben Sie es nicht! Je mehr Testleser Sie haben, umso mehr Meinungen erhalten Sie auch und umso verwirrender wird es für Sie, durch sämtliche Anmerkungen und Korrekturvorschläge durchzublicken. 3 bis 5 Testleser reichen völlig aus!
  2. schreib-, lese- oder lektoratserfahren: Wichtig ist, dass Ihre Testleser selbst über eine entsprechende Erfahrung auf dem Gebiet des Schreibens und Lesens verfügen. Sie benötigen (noch) keine ausgebildete Lektorin, die Ihr Manuskript gegenliest, aber Ihre Testleser müssen Ihnen aufgrund ihrer eigenen Erfahrung beispielsweise sagen können, wo der Text verwirrend oder unlogisch ist, ob die Figuren plausibel erscheinen, ob die Handlung nachvollziehbar ist, wo die Spannung des Textes durchhängt, welche Bilder und Metaphern unzureichend oder schief sind, etc.
  3. aus der Zielgruppe Ihres Romans: Wenn Sie Punkt 1 und 2 beherzigen, werden Sie schon ausreichend wertvolle Rückmeldungen erhalten, durch die Ihr Manuskript den notwendigen Schliff erhält, damit Sie es einer Literaturagentur oder einer professionellen Lektorin vorgelegen können. Das i-Tüpfelchen ist, wenn sich ein oder mehrere Testleser tatsächlich in der Zielgruppe Ihres Romans befinden. Dadurch erhalten Sie schon vor der Veröffentlichung eine Rezension Ihres – wenn auch noch unreifen – Textes und können erkennen, ob Sie den Nerv Ihres Zielpublikums getroffen haben.

Tipp: Nehmen Sie die Kritik Ihrer Testleser nie persönlich! Sie soll Ihnen als Anregung dienen, das Beste aus Ihrem Text herauszuholen, und Sie mit Verbesserungsvorschlägen versorgen. Außerdem sind die Anmerkungen – wie oben schon erwähnt – immer subjektiv; was dem einen gefällt, findet der andere weniger gut, aber Sie können nicht alle glücklich machen.

Wo finde ich Testleser und wie funktioniert das mit dem Testlesen?

Testleser finden Sie beispielsweise:

  • unter Schreibkollegen aus Kursen, die Sie besucht haben, oder von Messen, wo Sie sie getroffen haben
  • unter den Mitgliedern Ihrer Schreibgruppe oder Ihres Autorenforums im Netz
  • unter den Besuchern/Followern Ihrer Website oder Ihrer Profile in Sozialen Medien
  • in den entsprechenden Interessensgruppen auf Xing, Facebook etc.

Wann sollte ich Testleser einbinden?

So früh wie möglich, aber normalerweise nicht vor dem Abschluss Ihrer eigenen Überarbeitung. Ausnahme: Sie sind sich unsicher, ob Ihre Idee und die Art, wie Sie schreiben, überhaupt funktionieren. In diesem Fall sollten Sie schon während des Entwurfs ein oder zwei erfahrene Testleser miteinbeziehen, die die ersten Seiten Ihres Textes – 5 bis maximal 30 reichen auf alle Fälle schon aus – auf solche grundlegenden Elemente abklopfen können. In diesem Stadium lässt sich ohne viel Aufwand noch vieles ändern und anpassen; wenn der halbe (oder ganze) Text schon steht, ist es aufwändig, Plot, Figuren oder ganze Szenen umzuschreiben.

Wie funktioniert Testlesen?

Per Textverarbeitung

Am einfachsten und effizientesten, weil direkt am Rechner zu erledigen und durch direkte Korrekturen im Manuskript nachvollziehbar und schnell durchzuarbeiten, ist das Verschicken des Manuskripts im Word-Format — was Sie für die meisten Verlage ohnehin benötigen — per E-Mail. Ihre Testleser können dann anhand der Überprüfungsfunktion Änderungsvorschläge, Korrekturen und Kommentare direkt im Text einfügen.

Tipp: Falls Sie Bedenken zum Versand Ihres Manuskripts per E-Mail haben, können Sie das Dokument vor dem Versand mit einem Passwort verschlüsseln, das Sie Ihrem Testleser anschließend separat per Telefon oder einer weiteren E-Mail übermitteln.

Ausdruck auf Papier

Ob Sie es glauben oder nicht, aber es gibt tatsächlich Testleser, die ein gedrucktes Manuskript einer elektronischen Version vorziehen, manchmal zusätzlich mit Ringbindung, damit beim Umblättern im Bett die losen Seiten nicht in alle Richtungen flattern. Um ehrlich zu sein, gehöre auch ich zu dieser Gruppe, sobald es sich um vollständige Manuskripte handelt. Ich habe einen großen Bildschirm zur Verfügung, aber ab mehreren Dutzend Textseiten nimmt mein Teekonsum beim Lesen exponential zu.

Wie dem auch sei, ein gedrucktes Manuskript können Sie entweder persönlich überreichen oder per Post schicken — Druck- und Portokosten können Sie von der Steuer absetzen, also Belege aufheben! 

Tipp: Gönnen Sie Ihren Testlesern ausreichend Zeit zum Lesen, besonders wenn Sie Ihnen ein längeres Manuskript gegeben haben! Sorgen Sie trotzdem für ein wenig positiven Stress, indem Sie einen Termin setzen, bis zu dem Sie den fertig gelesenen Text wiederhaben wollen! 2 bis maximal 4 Wochen sollten für ein durchschnittliches Manuskript völlig ausreichen.

Im Internet veröffentlichen

Statt Ihren Text zu verschicken, können Sie ihn in Teilen oder gesamt auf Websites im Internet hochladen, auf denen es öffentliche Diskussionsforen, passwortgeschützte Mitgliederbereiche oder geschlossene Gruppen, deren Mitgliedschaft man erst beantragen muss, gibt.

Vorteil: Dieser Schritt ist bequemer, als alles per E-Mail zu versenden, und verspricht je nach Teilnehmerzahl ein breites Stimmungsbild zu Ihrem Text.

Nachteil:

  1. Gerade in der Fülle der Rückmeldungen liegt auch ein Nachteil. Sie haben auf solchen Seiten kaum eine Kontrolle, wer Ihren Text liest, und wissen, insbesondere als Schreibanfänger, vielleicht nicht einmal, wie gut und passend die Kommentare und Korrekturvorschläge sind. Womöglich erhalten Sie 10 verschiedene Meinungen und verzweifeln, wenn nicht direkt an Ihren Schreibfähigkeiten, dann spätestens bei dem Versuch, all diese Ratschläge umzusetzen und in Ihr Manuskript einzuarbeiten.
  2. Je nachdem, wie viel Sie veröffentlichen, laufen Sie Gefahr, Ihr Manuskript für eine spätere Veröffentlichung als Buch für Leser und Verlage unattraktiv zu machen. Wer will schon Geld in einen Text investieren, der schon (größtenteils) kostenlos im Internet verfügbar ist?

Was kosten Testleser?

Wenig, wenn Sie nicht einen professionellen Lektor gegen Bezahlung beauftragen. Als Vergütung könnten Sie beispielsweise Folgendes anbieten: 

  • einen Eintrag in der Danksagung Ihres Romans
  • ein Exemplar des veröffentlichten Buches, als e-book oder gedruckt, gegebenenfalls mit Widmung
  • selbst als Testleser für ihre Texte zu fungieren

Aufgabe: Überlegen Sie sich, wie viele Testleser Sie benötigen und wo Sie diese finden! Sprechen Sie sie direkt an, ob Sie den Text, den Sie gerade schreiben, gegenlesen und Ihnen dazu Rückmeldung geben wollen! Vergessen Sie nicht zu erwähnen, über welches Thema Sie schreiben, wie lang der Roman ungefähr wird, und worauf Ihr Testleser gegebenenfalls besonders achten soll!

Tipp: Natürlich können Sie das Augenmerk Ihrer Testleser auf spezielle Aspekte wie Figuren, Spannung oder ähnliches lenken, wenn Sie insbesondere dazu deren Meinung haben wollen. Auch wenn Sie detailliertes Feedback wünschen, bietet es sich an, die Testleser vorher, etwa durch einen entsprechenden Fragebogen (bei Annika Bühnemann finden Sie ein Beispiel), in die gewünschte Richtung zu dirigieren. Allerdings verlieren Sie dadurch einen Teil der Objektivität und Sponaneität, mit denen die Testleser ohne Anweisung das Manuskript sonst lesen und kommentieren würden. Gerade am Anfang würde ich daher von einer gezielten Beeinflussung der Testleser abraten, damit Sie wirklich eine umfassende Bewertung Ihres Textes und nicht nur einzelner Aspekte erhalten.

Das Exposé – Ihr Roman im Kurzformat

Spätestens, wenn Sie Ihren Text einer Literaturagentur, einem Verlag oder Lektor vorlegen wollen, kommen Sie um ein Exposé und eventuell einen Pitch nicht herum.

Was ist ein Exposé?

Ein Exposé ist die Zusammenfassung Ihres Romans auf 1 bis maximal 5 Seiten. Dazu gehören:

  1. Allgemeine Fakten: Ihr Name, Adresse und Kontaktdaten (E-Mail-Adresse reicht); Arbeitstitel – dieser kann bei einer Veröffentlichung vom Verlag geändert werden –, Zeichenanzahl mit Leerzeichen; Genre
  2. Zusammenfassung der Handlung: Beschränken Sie sich auf die grobe Struktur mit Anfang, Wendepunkten, Konflikten und Auflösung – hier kommt Ihnen die Kapitelübersicht zugute, die Sie bei der Erstellung eines Arbeitskonzeptes entwerfen – siehe Teil 3: Schreibtechnik – Vor dem Schreiben. Sollten Sie kein Arbeitskonzept haben, sehen Sie spätestens bei dieser Zusammenfassung, wo Lücken und Probleme in Ihrem Text auftreten
  3. Nennung der wichtigsten Figuren: Protagonistin, Antagonistin und eventuell noch ein oder zwei andere, für die Handlung essentielle Figuren, deren wichtigste Züge Sie kurz (!) skizzieren

Wichtig: Das Ende Ihres Romans gehört unbedingt mit ins Exposé. Lassen Sie den zuständigen Lektor nicht raten, wie Ihr Roman ausgehen könnte! Zur Beurteilung für eine Veröffentlichung benötigt er einen vollständigen Überblick über die Handlung.

Bevor Sie sich durch sämtliche Websites klicken, die Ihnen sagen, wie man ein Exposé schreibt, schauen Sie in Hans Peter Roentgens Buch Drei Seiten für ein Exposé hinein! Roentgen ist langjähriger Lektor, der sowohl online als auch in seinen Büchern offline Textstellen lektoriert und Stück für Stück deren Schwächen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigt. Wenn Sie nur einen Text zum Schreiben eines Exposés lesen, dann dieses Buch! Woanders bekommen Sie die Theorie; wie Sie diese auch umsetzen, zeigt Ihnen Hans Peter Roentgen.

Tipp: Schauen Sie sich die Minilektorate an, die Roentgen im Newsletter The Tempest von autorenforum.de bietet. Sie können die vergangenen Ausgaben online lesen oder den Newsletter abonnieren. So erhalten Sie neben dem Beispiellektorat auch gleich noch Informationen über Ausschreibungen, Artikel über Schreibtechniken und vieles andere, das Ihre Autorenkarriere gerade am Anfang vorwärtsbringt.  

Aufgabe: Schnappen Sie sich Ihren Text, Ihr Arbeitskonzept und die obigen Tipps zum Thema Exposé und schreiben Sie das Exposé für Ihr Buch auf maximal 3 Seiten, besser: einer einzigen Seite!

Tipp: Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihr Exposé und die Leseprobe Ihres Manuskripts nicht auf Anhieb eine Agentur oder einen Verlag überzeugen! Es braucht Glück, den richtigen Zeitpunkt und den passenden Ansprechpartner, um einen Text erfolgreich zu vermitteln.

Halten Sie durch! Drucken Sie sich Andreas Eschbachs „Trostliste“ aus und schöpfen Sie Kraft aus der Anzahl von Absagen, die große Schriftsteller für ihr Erstlingswerk kassiert und schließlich erfolgreich überwunden haben!

Der Pitch – ein Roman in einem Satz

Haben Sie jetzt gerade nach Luft geschnappt? Sollen Sie den Text, den Sie in den letzten Monaten mühevoll geschrieben und mehrfach überarbeitet haben, wirklich in einen einzigen Satz quetschen? Ja, das sollen Sie! Unmöglich? Nein. Aber es braucht ein wenig Übung oder mehrere Anläufe, um wirklich den Kern Ihres Romans zu treffen.

(Warum) Brauchen Sie einen Pitch?

  • Sie können ihn im Exposé vor der Zusammenfassung der Handlung als hochkonzentrierte Inhaltsangabe nutzen. Ich habe beispielsweise den Pitch vor die eigentliche Zusammenfassung des Plots im Exposé meines ersten historischen Romans gestellt. So sieht die Lektorin 1. dass ich den Inhalt in einem Satz unterbringen kann und 2. ob es sich für sie überhaupt lohnt, den Rest zu lesen.
  • Er ist die beste Art, für Ihren Roman zu werben. Nichts ist schlimmer, als wenn jemand Sie auf Messen, Autorentreffen, etc., danach fragt, worum es in Ihrem Roman geht, und Sie nur stammelnd und unzusammenhängend den Inhalt wiedergeben können.

Was ist der Unterschied zwischen Prämisse und Pitch?

Die Prämisse ist sozusagen die Moral von der Geschicht’. Der Pitch fasst die Handlung kompakt zusammen, mit der Sie diese Prämisse zum Ausdruck bringen.

Wie schreibe ich einen Pitch?

Indem Sie Ihre Romanhandlung soweit konzentrieren, dass sie am Ende in maximal zwei Sätze, besser noch: in einen einzigen Satz hineinpasst. Machen Sie Stichpunkte zu ihren beiden Hauptfiguren (Protagonist/Antagonist), deren Zielen und dem Thema bzw. der Prämisse Ihres Romans und versuchen Sie, diese Punkte in so wenig Sätzen wie möglich unterzubekommen. Das dauert, und das muss man üben, also halten Sie durch!

Nehmen wir als Beispiel meinen ersten historischen Roman:

Die Prämisse lautet: Achtung des Anderen führt zu Glück

Und hier der Pitch dazu: Ein junger Anglonormanne strebt nach Achtung und Glück und gerät dabei in einen tödlichen Kampf, in dem nicht nur sein Erbe und sein guter Ruf auf dem Spiel stehen, sondern auch das Leben von seiner Familie und der Frau, die er liebt.

Das sind knappe 460 Normseiten auf drei Zeilen zusammengefasst. Geht doch, oder?

Vielleicht helfen Ihnen noch folgende Artikel zum Thema:

Annika Bühnemann illustriert das Schreiben eines Pitchs am Beispiel von Harry Potter. Jurenka Jurk widmet sich dem Thema Pitch anhand des Films Erin Brokovich.

Aufgabe: Schreiben Sie einen Pitch für Ihren Roman!

Tipp: Zerbrechen Sie sich nicht zu sehr den Kopf über den perfekten Pitch! Wichtiger ist es, ein überzeugendes Exposé vorzulegen, als seinen Roman im Fahrstuhl vorstellen zu können.

Der Klappentext – für Verlagsautoren und Selbstverleger ein Muss!

Exposé und Pitch brauchen vor allem zukünftige Verlagsautoren, um ihr Manuskript an einen Literaturagenten oder eine Verlagslektorin zu verkaufen. Wer seinen Roman jedoch an den Leser bringen will, kommt, neben einem ansprechenden Buchcover und einem guten Lektorat, um den Klappentext, also das, was auf der Rückseite des Buches steht, nicht herum. Bei Verlagsautoren kümmert sich meist der Verlag um Lektorat, Cover und Klappentext. Selfpublisher müssen an dieser Stelle selbst Hand anlegen.

Wie schreibe ich einen Klappentext?

Der Klappentext muss so viel von der Geschichte verraten, dass ein Leser gerne mehr erfahren und das Buch lesen würde. Starten Sie mit Ihrer Hauptfigur und wie Sie aus der Normalität in die Krise geschleudert wird, die sie im Roman überwinden muss. Falls Sie schon ein Exposé haben – und das sollten Sie, bevor Sie überhaupt an einen Klappentext denken! –, nehmen Sie dieses als Grundlage und kürzen Sie es auf 200 bis 500 Zeichen. Selbstverständlich sollten Sie dabei unbedingt das Ende offen lassen, damit der Leser Ihres Klappentextes einen Anreiz bekommt, das Buch zu kaufen.

Wenn Sie Anregung brauchen, lesen Sie sich die Klappentexte der Bücher durch, die Sie gekauft haben, und überlegen Sie, warum Sie das getan haben! Welcher Satz im Klappentext hat Sie dazu bewegt? War es die spannende Figurenkonstellation, der Cliffhanger am Ende des Textes, ein lobendes Zitat aus einer großen Zeitung?

Für den Klappentext gilt dasselbe wie für den Pitch: Übung macht den Meister, und selbst erfahrenere Autoren raufen sich darüber die Haare. Wenn Sie das Glück haben, dass ein größerer Verlag Ihr Manuskript annimmt, wird wahrscheinlich Ihre Lektorin den Klappentext für Sie schreiben. Selfpublishern und Autoren kleinerer Verlage bleibt das leider nicht erspart.

Aufgabe: Überlegen Sie sich einen verlockenden Klappentext, der Sie neugierig auf die Geschichte macht und idealerweise zum Kauf des Romans anregt!

Tipp: Für die kleinen Texte rund ums Buch steht Ihnen Hans Peter Roentgen mit seinem Buch Klappentext, Pitch und anderes Getier helfend zur Seite. Lesen Sie auch das Interview, das er mit Madeleine Puljic, Gewinnerin des Deutschen Selfpublishing-Preises 2017, zum Thema Klappentext und Pitch geführt hat.

Verlag oder Selfpublishing – Wo soll ich veröffentlichen?

Ihr Manuskript soll raus aus der Schublade und in die Welt hinein, aber wie? Gehen Sie den klassischen Weg und suchen Sie sich einen Verlag? Oder nehmen Sie Ihr Glück in die eigenen Hände und verlegen ihr Buch selbst?

Sehen wir uns einmal die Vor- und Nachteile der beiden Veröffentlichunswege an!

Verlag

Vorteile

  • kümmert sich um und bezahlt Lektorat, Korrektorat, Buchcover, Buchsatz und, zumindest zu einem gewissen Grad, Marketing
  • verhandelt andere Veröffentlichungsformen sowie ausländische Lizenzen
  • wird bei Schreibwettbewerben, Autorenvereinigungen, Literaturstipendien und ähnlichem problemlos als Veröffentlichung akzeptiert
  • Autor erhält, außer bei Kleinverlagen, einen nicht zurückzuzahlenden Vorschuss

Nachteile

  • lange Zeitspanne, ein Jahr oder länger, von Manuskripteinsendung bis zur Veröffentlichung, abhängig von Verlagsgröße, Verlagsprogramm und Dauer der einzelnen Korrekturschleifen
  • Erfolgschancen ungefragt eingesandter Manuskripte gehen gleich Null
  • Einstieg meist nur über eine Literaturagentur möglich; auch hier kann es Monate bis zur Annahme dauern

Tipp: Seien Sie auf der Hut, wenn ein Verlag explizit nach neuen Autoren und Manuskripten sucht! Das ist sehr oft der schnellste Weg, sein Geld und seine Hoffnungen auf eine anerkannte Veröffentlichung loszuwerden, denn Werbung solcher Art machen nur Druckkostenzuschussverlage, auch DKZV genannt. Diese Verlage verlangen von Ihnen Geld für verschiedenste Dienstleistungen, die Ihnen jeder reguläre Verlag kostenfrei bietet. Sie sollten nicht dafür bezahlen, um bei einem Verlag veröffentlicht zu werden! Im Autorenforum Montsegur finden Sie eine Liste bekannter DKZV, leider schon etwas in die Jahre gekommen.

Selfpublishing

Vorteile

  • keine umständliche, langwierige, frustrierende und womöglich erfolglose Suche nach einem Verlag oder einer Agentur
  • keine Abhängigkeit von Vorgaben für Genre, Thema, Inhalte, Programmplanung, um seinen Text zu veröffentlichen
  • Veröffentlichungsprozess vom fertigen Manuskript zum käuflichen Buch dauert nur wenige Wochen oder Monate
  • Entscheidung über Buchtitel, Cover und Texte liegt allein beim Autor

Nachteile

  • Autor muss Kosten im unteren vierstelligen Bereich für Lektorat, Cover und was noch vorschießen
  • Verantwortung, Kosten und Planung fürs Marketing trägt allein der Autor
  • sämtliche Verlagsaufgaben muss der Autor selbst übernehmen, darunter auch Buchsatz und Layout, die von der jeweiligen Veröffentlichungsplattform vorgeschrieben werden — hier kann ein professionelles Schreibprogramm helfen, das den Text automatisch ins korekte Format konvertiert
  • gilt immer noch nicht überall als anerkannte Veröffentlichung, die für den Zugang zu Ausschreibungen oder Literaturverbänden benötigt wird
  • erfordert einen Gewerbeschein

Tipp: Sollten Sie auch nur im entferntesten mit dem Gedanken spielen, Ihre Bücher selbst zu veröffentlichen, dann kommen Sie an einer Website nicht vorbei: selfpublisherbibel.de. Hier sammelt und schreibt Matthias Matting alles zum Thema Selfpublishing für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Ob Technik, Tools, Veröffentlichungsplattformen, Buchmarketing und — detailliert und allgemein verständlich, aber mit entsprechendem Caveat versehen, da Matting weder Finanz- noch Rechtsberater ist — Steuern und Recht.

Aufgabe: Wägen Sie ab, welchen Veröffentlichungsweg Sie gehen wollen! Keine Angst! Sie können jederzeit wechseln oder auch beide Schienen gleichzeitig fahren.

Literaturagenturen

Haben Sie sich entschieden, dass Sie im Moment den Weg als Verlagsautorin probieren wollen, dann haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Sie suchen sich eine Literaturagentur, insbesondere, wenn Sie in die großen Publikumsverlage wollen.
  2. Sie machen sich eine Liste mit kleinen und mittelgroßen Verlagen, denen Sie Ihr Manuskript anbieten können.

Wie finde ich eine Literaturagentur oder einen Verlag?

Da hilft nur eins: Suchen!

Auf autorenwelt.de finden Sie eine Tabelle mit Literaturagenturen und Verlagen, die Sie nach Ihrem Genre durchsuchen können.

Aus demselben Haus, nämlich dem Uschtrin-Verlag, stammt auch das Handbuch für Autorinnen und Autoren, das nicht nur zur Verlags- und Agentursuche ein absolutes Muss für Autoren ist.

Wie bewerbe ich mich und was muss ich einreichen?

Gehen Sie auf die Website der Agentur oder des Verlags. Dort gibt es üblicherweise einen Bereich für Manuskripteinsendungen, in dem aufgelistet wird, was Sie einschicken sollen. BEFOLGEN SIE DIESE ANWEISUNGEN GENAU! Ansonsten laufen Sie Gefahr, wegen unvollständiger Unterlagen aussortiert zu werden, bevor die Lektorin überhaupt einen Blick in Ihr Manuskript geworfen hat.

Generell werden bei Einsendungen das Exposé, eine Leseprobe von 20 bis 30 Seiten und eventuell eine Kurzvita gefordert. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Buch ins Verlagsprogramm oder das Spektrum der Agentur passt, rufen Sie dort an und fragen Sie nach. Halten Sie Ihren Pitch bereit, den Sie weiter oben erstellt haben! Er könnte Ihnen an dieser Stelle gute Dienste leisten.

Aufgabe: Erstellen Sie anhand ihres Genres eine Liste mit Literaturagenturen bzw. Verlagen, die Sie der Reihe nach abarbeiten!

Tipp: Sie können Ihr Manuskript mehreren Agenturen oder Verlagen gleichzeitig anbieten, um die Wartezeiten zu verkürzen, aber übertreiben Sie es nicht! Mehr als zwei oder drei sollten es nicht sein. Erwähnen Sie im Anschreiben unbedingt namentlich, welchen anderen Verlagen oder Agenturen Ihre Leseprobe zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch vorliegt. Achtung: Manche fordern ein exklusives Begutachtungsrecht! Wenn Sie bei so jemand unter Vertrag gelangen wollen, dann halten Sie weitere Aussendungen zurück, bis Sie eine Antwort haben.

Im fünften Teil der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen steigen wir auf Sprosse 5 der Autorenleiter, auf der sich alles um Marketing dreht.

Birgit Constant

Birgit Constant ist promovierte Mediävistin mit langjähriger IT-Erfahrung, liebt Sprachen, Sprache und das Schreiben, und liest wahnsinnig gerne vor. Als Wandlerin zwischen den Welten betreibt sie Extremsport auf die sanfte Art und verbindet dadurch Bereiche, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören: deutsch und fremdsprachlich, Groß und Klein, modern und mittelalterlich, Frau und Technik, und noch einiges mehr.

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