Kreatives Schreiben professionell – Teil 5: Buch-Marketing

Sprosse 5 der Autorenleiter: Buch-Marketing

In diesem fünften Beitrag der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen geht es um Buch-Marketing.

Natürlich wollen Sie Ihr Buch, jetzt wo es endlich fertig und veröffentlichungsreif ist, so schnell wie möglich auf den Weg zu Ihren zukünftigen Lesern bringen. Aber wie sollen die Leser es finden? Täglich erscheinen Hunderte von Büchern in Print und als e-Book – woher soll die Welt wissen, dass es Ihr Buch gibt?

An dieser Stelle kommt das Buch-Marketing ins Spiel. Greifen Sie also hinein in den Fundus an Werbemaßnahmen, mit denen Sie Ihre zukünftigen Leser schon vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin heiß auf Ihr Buch machen! Pressemitteilungen, Posts auf Social Media, Ihre Website, Leserunden, E-Mail-Marketing, etc. – es ist für jeden etwas dabei.

Wann sollten Sie anfangen, für Ihr Buch zu werben?

Spätestens wenn Sie den Verlagsvertrag unterschreiben bzw. für Selfpublisher einige Monate, bevor das Buch online erscheint, sollten Sie sich Gedanken machen, wie Sie Ihr Buch bewerben wollen. Denn außer bei den großen Namen verkauft sich kein Buch auf Autopilot.

Nutzen Sie die Zeit, in der Sie auf Antwort von Agenturen, Verlagen oder Testlesern und Lektoren warten, um sich Werbemaßnahmen zu überlegen und zu planen.

Wie sollten Sie anfangen, für Ihr Buch zu werben?

Vieles verlagert sich zunehmend ins Digitale. Mit Büchern und deren Vermarktung ist das nicht anders. Obwohl Ihnen auch offline eine Reihe von Werbemöglichkeiten zur Verfügung stehen, können und sollten Sie das Internet mit seiner ungeheuren Reichweite als hilfreiches Vermarktungsinstrument nicht verlässigen. Wo Sie dabei als erstes ansetzen, hängt ein wenig von der Vorlaufzeit und von Ihren Vorlieben ab, aber auch davon, ob Sie Verlagsautorin oder Selfpublisher sind.

Als Selfpublisher haben Sie freie Hand, welche Maßnahmen Sie ausprobieren. Als Verlagsautorin sollten Sie in Ihren Vertrag schauen und herausfinden, was Ihnen von Verlagsseite an Werbemaßnahmen zugesichert wird. Das kann die Zusendung von Rezensionsexemplaren an Blogger oder Journalisten umfassen, die Versorgung mit Werbematerialien wie Flyer oder Poster, die Organisation von Lesungen oder anderes.

Wenn Ihnen Ideen für zusätzliche oder außergewöhnliche Marketing-Aktionen einfallen, schicken Sie Ihrem Ansprechpartner beim Verlag Ihre Vorschläge bzw. sprechen Sie die Aktionen mit ihm ab.

Welche Maßnahmen zum Buch-Marketing gibt es?

Maßnahmen gibt es viele. Die Frage ist, welche sich lohnen. Wie bei jeder anderen Werbung kommt es darauf an, wer die Zielgruppe des Buches ist, damit Sie Ihre Werbemaßnahmen gezielt und erfolgversprechend platzieren können. Eine Anzeige auf Facebook nutzt für eine Leserschaft im Seniorenalter ähnlich wenig wie ein Bericht in der Zeitung, wenn Ihr Buch ein Jugendroman ist.

Aufgabe: Überlegen Sie, wer Ihr Buch lesen soll und wo Ihre Zielgruppe sowohl offline als auch online am wahrscheinlichsten zu erreichen ist.

Wo können Sie Ihr Buch bekanntmachen?

Online
Eigene Website sowie Newsletter/E-Mail-Marketing

Diesem Thema widme ich einen eigenen Beitrag in dieser Artikelserie, Teil 6: Website (Link folgt).

Social Media

Neben Facebook, Instagram, You Tube und Co. gibt es noch zahlreiche andere. Im Social Media Prisma von ethority.de finden Sie die 250 größten Netzwerke dieser Art.

Autorenforen

In diesem Beitrag können Sie sich eine Übersicht über aktive Autorenforen (Stand: Februar 2019) ansehen und ein für Sie passendes auswählen.

Leseplattformen (Social Reading)

Zu den drei Großen gehören Goodreads (englisch, gehört zu Amazon), Lovelybooks (deutsch, gehört zum Holtzbrinck-Verlag) und die unabhängige, ebenfalls deutsche Plattform Whatchareadin.

Verkaufsplattformen

Diese sind besonders interessant und wichtig für Selfpublisher. Wenn Sie Verlagsautorin sind, sprechen Sie sich vorher unbedingt mit dem Ansprechpartner Ihres Verlags ab, bevor Sie auf einer Online-Verkaufsplattform ein Autorenprofil zum Verkauf von e-Books anlegen.

Können Sie Amazon umgehen? Wahrscheinlich nicht. Aber folgende Plattformen sollten Sie zusätzlich oder gegebenenfalls alternativ in Betracht ziehen (Zitate von den entsprechenden Websites):

Neobooks, Veröffentlichungsplattform für e-Books und Taschenbücher

Bookrix, „Selfpublishing-Partner […] für alle wichtigen Buchläden: Von Amazon über Thalia, Weltbild, Hugendubel bis hin zu Apple iTunes, Google Play und Kobo“

XinXii, „Europas führender eBook Distributor für Indie Autoren und Verlage“ 

smashwords.com, seines Zeichens „der weltgrößte Distributor von Indie-e-Books“ und für Autoren, Verleger und Literaturagenten geeignet, die e-Books unter anderem an Apple, Barnes & Noble, Scribd, Kobo und txtr verteilen wollen.

Offline
Lokale Medien

Recherchieren Sie Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und/oder Fernsehsender, die an Ihrem Buch oder an Ihnen als Lokalautor Interesse haben könnten.

Bildung und Kultur vor Ort

Hier bieten sich, je nach Art und Inhalt des Romans, der lokale Buchhandel, Bildungsinstitutionen wie Schulen oder Bibliotheken sowie besondere Orte, wie Schlösser, Museen, (themenspezifische) Restaurants oder was auch immer mit Ihrem Buch in Verbindung gebracht werden könnte, an.

Erschrecken Sie nicht! Sie müssen nicht die gesamte Liste abarbeiten! Picken Sie sich das heraus, wo sich Ihre Zielgruppe aufhält und was Ihnen am meisten liegt.

Tipp: Wählen Sie Ihre Werbemaßnahmen so, dass Sie 100 % dahinterstehen können und sie nicht nur halbherzig durchziehen.

Aufgabe: Machen Sie eine Liste mit den Medien und Orten, die für Ihre Marketing-Maßnahmen in Frage kommen!

Wie können Sie Ihr Buch bekanntmachen?

Ziehen Sie alle Register: Wort, Bild und Ton. Produzieren Sie also beispielsweise Textbeiträge für Blogs, Facebook, Twitter und Co., Cover-Bilder für Pinterest, Instagram und Co., Buch-Trailer für YouTube oder Vimeo, Mini-Podcasts für iTunes. Und vergessen Sie bei allem nie, zu Ihrer Website zu verlinken, damit Interessenten weiterführende Informationen zu Ihnen und ihrem Buch finden können.

Vor allem offline müssen Sie zunächst mit Ihren Ziellokalitäten oder -ansprechpartnern Kontakt aufnehmen. Danach oder auf Ihren eigenen Online-Profilen — Website, Social-Media-Seiten, -profile und -kanäle — sind Ihrer Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt.

Hier sind einige Vorschläge, die Sie für Ihr Buch, Ihre Zielgruppe und Ihr Zielmedium überdenken können:

Vor der Veröffentlichung
  1. Buchankündigung: Ganz klar, vor der Veröffentlichung müssen Sie natürlich unbedingt ankündigen, wann Ihr Buch denn überhaupt erscheint, worum es geht und wo man es kaufen kann.
  2. Cover-Vorstellung: Gerade als Selfpublisher ist die Vorstellung verschiedener Cover-Alternativen eine hervorragende Gelegenheit, um Rückmeldung von (potentiellen) Lesern zu erhalten und diese in die Entstehung des Buches miteinzubeziehen. Wer an etwas mitarbeitet, hat später auch ein größeres Interesse am Endprodukt!
  3. Pressemitteilung mit Autoren- und Cover-Bild für die lokale Presse
  4. Autoreninterview für lokale Radio- und TV-Sender
Nach der Veröffentlichung
  1. Rezensionsexemplare anbieten: Sprechen Sie Journalisten und Blogger an, ob sie ein Ansichtsexemplar für eine Rezension haben möchten. Idealerweise sollten Sie vor allem zu Buchbloggern bereits (guten) Kontakt haben, bevor Sie ihnen Ihren Roman anbieten. Gerade die bekannten werden mit Büchern überschüttet, die sie rezensieren sollen.

Die Namen der in Frage kommenden Journalisten sollten Sie bei der Recherche lokaler Medien herausgefunden haben. Buchblogs finden Sie entweder durch eine Suche im Internet oder Sie starten mit einer dieser beiden Seiten:

Satte 949 Buchblogs (Stand Februar 2019) listet Tobias Zeising auf seiner Website lesestunden.de.

BuzzNews.de bietet eine viel kleinere, dafür aber thematisch geordnete Liste deutscher Buchblogs sowie eine Liste deutschsprachiger Booktubes (YouTube-Kanäle, die sich mit Büchern und Lesen befassen).

  1. Leseproben: Auszüge aus Ihrem Buch können Sie auf Ihrer Website, auf Verkaufsplattformen oder auch – von Ihnen selbst gelesen – als Hörprobe oder Video auf YouTube einstellen. Als Verlagsautorin sprechen Sie sich bitte mit Ihrem Verlag ab, was und wie viel Sie als Leseprobe anbieten können.
  2. Leserunde: Starten Sie eine Leserunde, um Feedback von Lesern  zu ausgesuchten Aspekten Ihres Buches zu erhalten und um Rezension anzuregen. Matthias Matting beschreibt auf seiner Website den Ablauf einer Leserunde bei Lovelybooks und was Sie davon erwarten können.
  3. Gewinnspiel/Verlosung: Diese können Sie in Verbindung mit einer Leserunde oder unabhängig davon organisieren. Sinn und Nutzen von Gewinnspielen zum Bücherverkaufen bzw. wie Sie solche Aktionen einfach aufsetzen, erläutert Matthias Matting auf seiner Website.
  4. Verschenkaktion/Preisaktion: Während Verlosungen eher für  gedruckte Bücher interessant sind, bieten sich Verschenk- und Preisaktionen vor allem für eBooks an. Solche Aktionen können auf den entsprechenden Verkaufsplattformen einmalig und/oder für einen bestimmten Zeitraum veranstaltet werden.
  5. Lesungen: Wenn es etwas gibt, auf das ich mich nach der Veröffentlichung besonders freue, dann sind es die Lesungen. Manchen mag davor grauen, weil sie nicht gerne vor Publikum stehen, weil sie finden, dass sie eine schreckliche Stimme haben, weil sie nicht gerne vorlesen oder aus welchen Gründen auch immer, aber Lesungen sind eine exzellente Gelegenheit, um direkt mit seinen Lesern in Kontakt zu kommen. Bedenken Sie außerdem: Die Leute kommen zu Ihrer Lesung, um gerade Sie lesen zu hören!

Es gibt unzählige Seiten mit Tipps zum Vorbereiten einer Lesung. Wichtig ist vor allem, sich einen passenden Ort auszusuchen, vorher die Technik (Tisch, Stuhl, Mikrofon, Licht, Getränke, Büchertisch, etc.) abzuklären, sich zwei bis maximal vier schöne und typische Stellen (je nach Länge der Lesung) aus dem Buch zu suchen, die spannend sind, aber nicht zu viel verraten, sowie eventuell schriftlich den Ablauf der gesamten Lesung zu planen. Je nach Vorleseort sollte Ihre Lesung zwischen 30 Minuten, etwa auf einer Messe, und ca. 2 Stunden, beispielsweise bei einem Krimi-Dinner im Restaurant, dauern.

Der VS (Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller) empfiehlt ein Regelhonorar von mindestens 300 € pro Lesung. Das ist gerade bei Neuautoren sicher nicht immer durchzusetzen, sollte in Ihnen aber einen gewissen Widerwillen wecken, bei solch einer Veranstaltung grundsätzlich gratis vorzulesen.

Sehr detaillierte Ausführungen zu Vorbereitung und Inhalt einer Lesung finden Sie hier:

Annika Bühnemann (vomschreibenleben.de)

Kia Kahawa

Kerstin Brömer (literaturjournal.de)

Heike Thormann (kreativesdenken.com)

literaturcafe.de

Tom Oberbichler (mission-bestseller-Podcast)

Ein ergänzender Tipp von mir zum Thema Vorlesen: Gönnen Sie sich – und Ihren Zuhörer! – einen Sprecherkurs bei einem Sprech- und Stimmtrainer! Wem ein Kurs (vorerst) zu teuer ist oder keinen Stimmtrainer vor Ort hat, der kann seine Sprech- und Vorlesetechnik auch mit Audiomaterial verbessern. Empfehlen kann ich dazu das Buch Sprechertraining (mit CD) von Michael Rossié, einem sehr erfahrenen Speaker und Sprechtrainer.

  1. Marketing-Aktionen vor Ort: Bieten Sie etwa Lesungen in Ihren ausgesuchten Lokalitäten an Ihrem Wohnort an oder fragen Sie, ob Sie Visitenkarten, Postkarten oder Flyer auslegen bzw. verteilen dürfen.
  2. Gastbeiträge: Je nach dem Thema Ihres Romans gibt es vielleicht Websites oder Blogs, die Interesse an einem Beitrag von Ihnen hätten. 
  3. Zusatzmaterial bereithalten: Beglücken Sie Ihre möglichen Leser mit kurzen Videos über die Entstehung des Buches, Audioschnipseln mit Anekdoten beim Schreiben und Recherchieren oder einer Sammlung gelöschter Szenen. Solches Material können Sie auch exklusiv Ihren Newsletterabonnenten anbieten.
  4. Über das Buch hinausdenken: Speziell für Selfpublisher, aber auch für Verlagsautoren zu bedenken, schlägt Joanna Penn 6 Wege vor, um mehr aus einem Roman zu machen als nur ein Buch (in Englisch).
  5. Bezahlte Werbung, etwa Facebook Anzeigen oder Google Ads

Tipp: Vergessen Sie vor lauter Marketing nicht, an Ihr nächstes Manuskript zu denken! Nach dem Buch ist vor dem Buch.

Wer sich unsicher ist über die allgemeine Vorgehensweise oder die einzelnen Schritte des Buch-Marketing, für den ist vielleicht ein Kurs zum Thema sinnvoll, um eine Anleitung und Rückfragemöglichkeiten zu erhalten. Mein Einstieg ins Buch-Marketing war beispielsweise Annika Bühnemanns Intensivkurs: Marketing für Romane. Damit steht sie allerdings allein auf weiter Flur. Es gibt zwar Kurse zum Kreativen Schreiben und Autorwerden, aber speziell zum Buch-Marketing ist mir kein weiterer Kurs bekannt. Alternativ gibt es zahlreiche Bücher über Marketing für Autoren. Und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch die Mitschreibenden im Autorenforum, die Fragen beantworten können. Vernetzen lohnt sich also auf alle Fälle!

Aufgabe: Gehen Sie die Liste der Marketing-Vorschläge durch und suchen Sie sich Ihre Favoriten heraus! Stellen Sie zusammen mit Ihren bevorzugten Medien und Orten einen Marketing-Fahrplan auf, mit dem Sie Ihre Aktivitäten vor und nach der Veröffentlichung Ihres Buches zeitlich festlegen, krempeln Sie die Ärmel hoch und legen Sie los!

Im sechsten Teil der Artikelserie Kreatives Schreiben professionell: Wie Sie von Schreiben als Hobby zu Schreiben als Beruf kommen steigen wir auf Sprosse 6 der Autorenleiter, auf der sich alles um Ihre Website dreht.