Nachwuchsautoren im Gespräch: Beatrice Kiehne

Autorin Beatrice Kiehne, Fotorechte: Beatrice Kiehne

Interviews mit Bestseller-Autoren gibt es überall. Also her mit den Nachwuchsautoren!

Diese Woche stelle ich Beatrice Kiehne vor, die mit magischen Talenten in ihre demnächst erscheinende Fantasy-Trilogie startet.

Hallo, Beatrice. Vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, um mir ein paar Fragen zu beantworten.

Du arbeitest gerade an Deinem Fantasy-Debütroman. Wie bist Du dazu gekommen und was reizt Dich daran besonders?

Stimmt, ich arbeite an meinem Debütroman, er trägt den Arbeitstitel „Ferran – Talente der Magie“ (bin aber noch nicht glücklich damit). Fantasy habe ich schon immer gerne gelesen, allerdings nicht unbedingt High-Fantasy. Dieses Genre selbst zu versuchen, reizte mich. Außerdem denke ich mir gerne Welten aus, mit allem, was dazu gehört: Glaube, Regierungsform, Nahrung, Arbeit, Schule, Rolle von Mann und Frau. 

Die große Frage für Debütautoren: Verlag oder Self-Publishing? Wie entscheidest Du Dich und warum? 

Noch habe ich mich nicht entschieden, im Moment tendiere ich jedoch eher zu Self-Publishing. Von einem großen Verlag angenommen zu werden, ist allerdings mein großer Traum. Vielleicht klappt es ja über den Umweg des Self-Publishing. 

Liest Du selbst lieber E-Books oder gedruckte Bücher?

Eigentlich lieber gedruckte Bücher, da unsere Bücherregale jedoch bis obenhin voll sind und wir schon Kisten auf den Dachboden bringen mussten, lerne ich gerade die Vorzüge von E-Reader und sogar Smartphone kennen. Das sind schon eine Menge Bücherschränke, die auf so einen Reader passen.

Du bist Autorin mit Familie und Katzen. Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei Dir aus?

Da ich das Glück habe, nicht arbeiten zu müssen (wenn man mal davon absieht, dass es auch Arbeit ist, sich jeden Tag stundenlang hinzusetzen und an seinem Roman zu schreiben), kann ich meinen Tagesablauf relativ frei gestalten. Das kommt mir sehr entgegen, da es häufiger passiert, dass ich nachts um 2 Uhr plötzlich einen Schreibflow bekomme. Auch jetzt, wo ich deine Fragen beantworte, ist es grad 2 Uhr in der Nacht. Unsere Söhne sind beide erwachsen, leben aber bei uns zu Hause. Der jüngere versucht sich seit seinem Schulabschluss gerade als Youtuber, er arbeitet ebenfalls fast immer nachts, so dass wir häufig nachts im Wohnzimmer sitzen und über unsere Arbeit quatschen.

Mein Tag beginnt meist um 9 Uhr mit Frühstück, danach schreibe ich ein, zwei Stunden, dann Haushalt/Einkaufen usw., dann Mittagessen, anschließend wieder Schreiben, Abends Freizeit in Form von Fernsehen, Lesen oder mein Lieblings-MMORPG daddeln. Vielleicht rührt auch daher die Entscheidung, Fantasy zu schreiben, weil man auch im Rollenspiel einen Fantasie-Charakter in einer Fantasie-Welt spielt. Und wenn ich dann immer noch nicht müde bin, setze ich mich nochmal an den Laptop und schreibe. 

Schreibst Du jeden Tag?

Es gibt Tage, wo ich nicht schreibe, meist sind dann aber äußere Umstände schuld. Es gibt einen Spruch, den ich sehr mag: Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag. Man könnte ihn auch anders schreiben: Ein Tag ohne Schreiben ist ein verlorener Tag. Ich habe während meines jetzigen Projekts allerdings eine Pause von zwei Monaten gemacht, weil ich nicht mehr weiterkam und Abstand brauchte. Das war sehr wichtig und hat viel gebracht.

Englische Autoren werden gerne gefragt, ob sie „Plotter“ oder „Pantser“ sind, also Planer oder Bauchschreiber. Zu welcher Fraktion gehörst Du?

Ich glaube, ich bin von beidem ein bisschen. Ich habe vorher die Welt mit allem Drumherum geplant, meine Charaktere entwickelt, mir überlegt, was für Fantasy-Elemente darin vorkommen, und die grobe Handlung hatte ich ebenfalls vorher festgelegt. Was ich nicht geplant habe, ist der Weg, wie meine Protagonisten zum Ziel kommen und was ihnen dorthin alles passiert. Das wollte ich lieber auf mich zukommen lassen, da das unter anderem für mich den Reiz des Schreibens ausmacht. 

Viele Autoren schwören auf Kaffee beim Schreiben. Welche Geheimmittel bringen Dich durch lange Schreibphasen?

Auf jeden Fall Kaffee. Früher mochte ich keinen Kaffee, inzwischen konsumiere ich ihn fast literweise. Am liebsten als Latte Macchiato. Dann noch ein Stück Kuchen dazu und schon kann es losgehen.

Welche Themen oder Zeiten interessieren Dich beim Schreiben am meisten? Worüber würdest Du niemals schreiben?

Sowohl was Zeiten anbelangt als auch Themen bin ich ziemlich offen. Das einzige, worüber ich mir nicht vorstellen könnte zu schreiben, ist alles, was mit New Adult zu tun hat. Mauerblümchen, die sich in fiese Waschbrettbauch-Kerle verlieben, brauche ich weder im realen Leben noch in einem Buch. 

Woher nimmst Du die Ideen für Deine Bücher? Fallen Dir die spontan ein oder hast Du eine Sammlung, aus der Du schöpfen kannst?

Die meisten Ideen kommen mir beim Lesen. Seltsamerweise haben sie nie etwas mit dem Thema des Buches zu tun. Ich habe inzwischen eine kleine Ideensammlung. Mal sehen, was ich davon zu meinem nächsten Buch mache.

Die Hauptrolle in Deinem Debütroman ist männlich. Was hat Dich dazu bewogen, keine Protagonistin zu wählen?

Schwierige Frage, auf die es mehrere Antworten gibt: 1. Ich lese lieber Bücher mit männlichen Helden (warum weiß ich nicht). 2. Mein Held sollte auf keinen Fall mit mir als Person in Verbindung gebracht werden. 3. Ich fand es reizvoller, über etwas zu schreiben, was ich selbst nicht bin. Im Grunde gibt es aber zwei Protagonisten in meinem Roman, einen männlichen und einen weiblichen. Der weibliche wird in den Folgebänden noch eine größere Rolle spielen.

Hast Du literarische Vorbilder? Wenn ja, wen?

Literarische Vorbilder? Das klingt so bedeutend. Ich mag Cornelia Funke, Ursula Poznanski, Theodor Fontane, Shakespeare, Theodor Storm, Terry Pratchett, Edgar Allan Poe, Isabell Allende, Tolkien usw. Manche davon lese ich gerne, würde aber nie so schreiben, bei anderen mag ich ihren Schreibstil. Vorbild bedeutet für mich, dass ich versuche, jemandem nachzueifern. Ich möchte jedoch meinen eigenen Stil erschaffen. Ob mir das irgendwann gelingen wird oder ob ich unbewusst so schreibe, wie ich es selbst lese, müssen mir andere beantworten. Müsste ich mir allerdings ein Vorbild bezüglich eines Schreibstils aussuchen, würde meine Wahl sicher auf Terry Pratchett fallen.  

Welches Buch liegt aktuell auf Deinem Lesestapel?

Die Frage beantworte ich gerne, es ist Das bretonische Mädchen von Birgit Constant. Da ich mehrere gleichzeitig lese, sind es außerdem noch Wintermärchen von Mark Helprin und Skargat von Daniell Illger. 

Was findest Du beim Schreiben eines Textes am schwierigsten?

Emotionen

Was stört Dich am meisten am Autorendasein? Was genießt Du besonders?

Am meisten stört mich, dass die Tatsache, dass ich Germanistik studiert habe, von vielen in meiner Umgebung gleichgesetzt wird mit: „Dann musst du das ja können.“ Ich genieße es, zu jeder Tages- und Nachtzeit schreiben zu können und meine Phantasie in meinen Geschichten auszuleben.

Die Bücherwelt dreht sich immer schneller. Manche Autoren bringen vier bis sechs Bücher pro Jahr auf den Markt. Einen Roman in 30 oder 60 Tagen zu schreiben, wird überall als machbar angepriesen. Siehst Du dieser Entwicklung gelassen entgegen oder fühlst Du Dich dadurch unter Druck gesetzt?

Mit entsprechend großer Schreiberfahrung mag das vielleicht gelingen. Hätte ich mein jetziges Werk nach 30 Tagen veröffentlicht, ich hätte dafür einen Tritt in den Hintern verdient. Unter Druck gesetzt fühle ich mich nicht. Wenn andere ihre Bücher nach so kurzer Zeit veröffentlichen möchten, sollen sie es tun. Quantität ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit Qualität. 

Wenn Du anderen Nachwuchsautoren einen Rat geben solltest, welcher wäre das?

Schreibe das, was dir Spaß macht bzw. das, was du der Welt schon immer mal sagen wolltest. Und mach dich nicht verrückt, weil so viele, die du von Social Media kennst, ihre Werke schon veröffentlicht haben, nur du noch nicht. Das wird schon.  

An was arbeitest Du gerade und was sind Deine nächsten Projekte?

Ich arbeite gerade am Ende des ersten Bandes meiner Fantasy-Trilogie und als nächstes steht der zweite Band an, besser gesagt, die Überarbeitung, denn der Inhalt ist bereits geschrieben. 

Wo kann man Dich online am besten erreichen, wenn man sich für Dich und Deine Bücher interessiert?

Ich bin auf Twitter zu finden unter @BeaKiehne (absolut langweiliger Accountname, war anfänglich so unbedarft und dachte, man müsse den eigenen Namen nennen. Vielleicht ändere ich ihn irgendwann). Eine Webseite soll es auch irgendwann geben, doch das wird noch eine Weile dauern. 

Vielen Dank für das Gespräch, Beatrice.

Danke ebenfalls. Hat mir Spaß gemacht, deine Fragen zu beantworten. 


Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, auch unter die Nachwuchsautoren zu gehen, dann schauen Sie doch mal in meine Artikelserie Kreatives Schreiben professionell hinein. Darin begleite ich Hobbyautoren von der Buchidee bis zum fertigen Buch und noch ein Stückchen weiter.