Nachwuchsautoren im Gespräch: Laura Jäger

Autorin Laura Jäger, Fotorechte: Laura Jäger

Interviews mit Bestseller-Autoren gibt es überall. Also her mit den Nachwuchsautoren!

Diese Woche stelle ich Laura Jäger vor, die außer in der Lyrik auch Plotbunnies im Genre Fantasy züchtet.

Hallo, Laura. Vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, um mir ein paar Fragen zu beantworten.

Du schreibst Lyrik, Fantasy und bloggst. Welcher der drei Bereiche gefällt Dir am besten und warum?

Hallo Birgit. Vielen Dank erst mal für die Möglichkeit für dieses Interview. Ich mag eigentlich alle drei Bereiche gleich gerne, an allen liebe ich unterschiedliche Sachen. Meine Webseite hilft mir dabei, in der Buchszene aktiv zu bleiben und ist oft auch so etwas wie ein Tagebuch für mich. Beim Schreiben von Fantasy kann ich alle wirren Gedanken aus meinem Kopf verbrauchen, Lyrik kommt dagegen sehr spontan zu mir und füllt die kleinen Lücken.

Du bist Self-Publisherin. Kam es für Dich je in Frage, bei einem Verlag zu veröffentlichen?

Früher ja, heute eher nicht mehr. Wobei sich meine Meinung dazu häufig ändert. Im Moment fühle ich mich als Self-Publisherin wohl. Gerne würde ich ein paar Werke in Anthologien veröffentlichen.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei Dir aus?

Aufstehen, rumtorkeln, ein Kaffee und ein bisschen Youtube. Dann anziehen und in den Zug setzen. Im Büro arbeiten und heimkommen. Dann erst mal kochen, essen und aufräumen. Wenn ich dann noch Energie habe, kümmere ich mich um mein Autorinnenleben. 

Schreibst Du jeden Tag?

Nein, gar nicht. Ich habe immer wieder verschiedene Phasen und oft habe ich auch nur an den Wochenenden Zeit. Ich schreibe aber jeden Tag auf Twitter.

Englische Autoren werden gerne gefragt, ob sie „Plotter“ oder „Pantser“ sind, also Planer oder Bauchschreiber. Zu welcher Fraktion gehörst Du?

Ich bin bisher eine Pantserin. Je mehr ich im Voraus plane, desto mehr blockiere ich mich beim Schreiben. Lyrik lässt sich, finde ich, gar nicht planen, und auf den Blog kommt das, worauf ich gerade Lust habe. Bei längeren Geschichten kenne ich normalerweise alle Hauptfiguren und einen sehr groben Plot im Voraus.

Viele Autoren schwören auf Kaffee beim Schreiben. Welche Geheimmittel bringen Dich durch lange Schreibphasen?

Feste Rituale habe ich nicht. Ich schreibe mal im Zug, mal auf der Couch, mal im Bett. Kaffee gibt es bei mir nur morgens. Manchmal höre ich Musik.

Welche Themen oder Zeiten interessieren Dich beim Schreiben am meisten? Worüber würdest Du niemals schreiben?

Ich kann und will generell nicht über Gewalt jeglicher Art schreiben. Mein Motto ist, dass ich die Leser mit meinem Text einwickeln will, wie in eine warme Decke. 

Ich schreibe bisher nur über die Neuzeit, meist ohnehin mit fantastischen Elementen. Mittelalterliche Settings finde ich am schlimmsten. Meine Inspirationen ziehe ich aus den kleinen Dingen im Alltag. Da schreibe ich mal ein Gedicht über die Langeweile oder ein vertrocknetes Blatt. Meine langen Texte leben alle von der Entwicklung der Charaktere. Oft finde ich mich bei Themen wie „Coming of Age“ wieder.

Von welcher historischen Persönlichkeit könntest Du Dir vorstellen, dass sie in Deinen Büchern auftaucht? Oder ziehst Du fiktive Charaktere vor?

Für mich die fiktiven Charaktere, bitte. Nein, ich finde, über Verstorbene wird schon genug geschrieben. Fiktion kann uns gerade in heutigen, schwierigen Zeiten viel beibringen. Mit fiktiven Charakteren kann ich als Autorin auch viel freier und ungezwungener umgehen.

Woher nimmst Du die Ideen für Deine Bücher? Fallen Dir die spontan ein oder hast Du eine Sammlung, aus der Du schöpfen kannst?

Das ist ja das Schlimme. Die Ideen kommen von überall. Aber natürlich, manche Themen behandele ich auch schon mehrfach, oder es überschneidet sich etwas. Ich habe bestimmt jetzt schon genug Ideen für die nächsten zehn Jahre zusammen.

Hast Du schon einmal überlegt, ein Buch mit einem Mann als Protagonist zu schreiben?

Ein ganzes Buch habe ich noch nicht mit einem männlichen Protagonist  geschrieben, aber Kurzgeschichten.  Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Unterschied im Schreiben, warum auch? Menschen sind ohnehin alle verschieden und genauso sind es auch Buchcharaktere. Eher ist die Frage, ob ich aufbrausende und stille, exzentrische oder lahme Charaktere schreiben kann. Da habe ich viele noch nie ausprobiert.  Ich möchte unbedingt mal über eine Figur schreiben, die Asthma hat oder der ein Arm oder Bein fehlt. 

Hast Du literarische Vorbilder? Wenn ja, wen?

Das Wort Vorbilder mag ich nicht gerne. Mit dem „fangirlen“ tue ich mich allgemein schwer.  Ich habe viel Bewunderung für Autor*innen wie Walter  Moers, Antonia Michaelis und Douglas Adam.

Welches Buch liegt aktuell auf Deinem Lesestapel?

Im Moment Lady Trents Memoiren 1: Die Naturgeschichte der Drachen, das mich eher mittelmäßig unterhält. Dann habe ich noch ein Rezensionsexemplar auf der Warteliste. 

Was findest Du beim Schreiben eines Textes am schwierigsten?

Das ist nicht immer gleich. Aber innere Logik und technische Details fallen mir immer schwer. Kommasetzung ist auch nicht so meins.

Was stört Dich am meisten am Autorendasein? Was genießt Du besonders?

Mich stört die äußere Wahrnehmung. Schreiben wird nie als (Neben)-Job gesehen, sondern immer als schrulliges Hobby abgestempelt. Wenn man die Leute dann fragt, was sie denn glauben, wo die ganzen Bücher auf der Welt herkommen, erntet man Schweigen. Es gibt auch einige schwarze Schafe in der Buchszene, und am besten will niemand irgendetwas bezahlen.

Ich genieße, dass ich das tun kann, wozu mich mein Kopf drängt. Um ehrlich zu sein, gehe ich ein wie eine Pflanze ohne Wasser, wenn ich mich nicht kreativ beschäftigen kann. 

Die Bücherwelt dreht sich immer schneller. Manche Autoren bringen vier bis sechs Bücher pro Jahr auf den Markt. Einen Roman in 30 oder 60 Tagen zu schreiben, wird überall als machbar angepriesen. Siehst Du dieser Entwicklung gelassen entgegen oder fühlst Du Dich unter Druck gesetzt?

Jede*r, die/der so viel schreiben kann und will, soll das unbedingt machen. Es gibt nie zu viele Bücher. Die Qualität sollte aber nicht allzu leiden. Diese engen Zeitpläne sind nur für Menschen realistisch, die das Schreiben als Vollzeitjob haben. Als Self-Publisher*in hat man da auch einige Vorteile. Wenn man fast nur alleine arbeitet, muss man sich nicht mit anderen  abstimmen und nicht warten, bis ein Verlag alles beisammen hat.

Wenn Du anderen Nachwuchsautoren einen Rat geben solltest, welcher wäre das?

Einfach schreiben und nicht auf einen Druckkostenzuschussverlag reinfallen. Veröffentlichen bei einem Verlag oder on Demand sollte nicht mehr als 30,- Euro kosten.

Bis jetzt hast Du zwei Lyrikbände, Lyrikhäppchen und Splitter aus Leben, veröffentlicht. Woran arbeitest Du gerade und was sind Deine nächsten Projekte?

Eigentlich war als Nächstes mein Fantasy-Roman an der Reihe. Mit ihm hatte damals mein ganzes Schreiben erst angefangen, und ich habe ihn bestimmt schon zehnmal neu geschrieben. Es gab leider ein paar Komplikationen, vielleicht werde ich also vorher etwas anderes veröffentlichen.

Auf der Warteliste ist so einiges: Eine Kurzgeschichtensammlung zum Thema Leben nach dem Tod, etwas über Hasen und eine leicht apokalyptische Fantasy Story – vielleicht mit meinem ersten Liebespärchen.

Wo kann man Dich online am besten erreichen, wenn man sich für Dich und Deine Bücher interessiert?

Am besten über meinen Twitteraccount @archivfantasie oder über meine Webseite ArchivderFantasie.de. Oder direkt per E-Mail an archiv-der-fantasie@gmx.de.

Vielen Dank für das Gespräch, Laura.


Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, auch unter die Nachwuchsautoren zu gehen, dann schauen Sie doch mal in meine Artikelserie Kreatives Schreiben professionell hinein. Darin begleite ich Hobbyautoren von der Buchidee bis zum fertigen Buch und noch ein Stückchen weiter.