Ein Interview mit mir

Du schreibst historische Romane, Texte für Kinder und IT-Fachartikel. Wie bist Du dazu gekommen? Was schreibst Du am liebsten und warum?

Ich habe in mittelalterlicher Sprach- und Literaturwissenschaft promoviert und war über sieben Jahre im IT-Support. Ich bin daher erblich vorbelastet, was die Textauswahl angeht. An die Texte für Kinder bin ich gekommen, weil ich mich während der Elternzeit zuhause gelangweilt habe. Damals habe ich mit dem Schreiben angefangen, und was lag näher, als mit einem Text für Kinder zu beginnen?

Eigentlich schreibe ich alle drei Sorten Texte gern, aber als Mediävistin blühe ich natürlich bei den historischen Romanen auf. Da muss ich allerdings immer aufpassen, dass ich vor lauter Recherche nicht vergesse, auch mal irgendwann ein Stück Roman zu Papier zu bringen.  

Dein Roman ist im Verlag erschienen. War das schon immer Dein Ziel oder hast Du auch mit Self-Publishing geliebäugelt?

Ich wollte schon immer im Verlag veröffentlichen, einfach, weil es die einzige Möglichkeit war, bis das Self-Publishing aufkam. Für unterschiedliche Texte war ich daher schon auf Verlags- bzw. Agentursuche. Das war allerdings nie von Erfolg gekrönt, bis eine Agentin sich für meinen aktuellen Roman, Das bretonische Mädchen, interessierte. Self-Publishing war etwas, das ich zwar nebenher beobachtet, aber nie für mich selbst in Betracht gezogen habe, vielleicht weil ich es mir unbewusst nicht zugetraut habe. Es ist ja auch noch nicht so lange her, dass Self-Publishing den Ruf des minderwertigen Veröffentlichens abzulegen beginnt. Dieser Ruf hat mich wahrscheinlich auch abgeschreckt. Mittlerweile bin ich durch meine Erfahrung mit Absagen und meine Lust, Neues auszuprobieren, so weit, dass ich Self-Publishing für kleinere und Nischenprojekte auf alle Fälle in Betracht ziehe. Ob ich das für große Projekte wie Romane mit all den im Voraus aufzubringenden Kosten auch durchziehen möchte, weiß ich noch nicht.

Deine Texte erscheinen gedruckt und als E-Books. Was liest Du selbst lieber?

Gedruckte Bücher! Ich hasse es, lange Texte wie Romane oder Sachbücher am Bildschirm zu lesen, egal wie groß der Bildschirm ist. Ich habe zwar ein paar E-Books – meist als E-Book getarnte PDFs – auf meinem Tablet, aber da schaue ich nur sporadisch rein. Das einzige vollständige E-Book, das ich bis jetzt gelesen habe, war der Einstiegsroman in die ARKANE-Serie von Joanna Penn, aber das ist eine Novelle von umgerechnet 100 Seiten, also weit entfernt von einem ausgewachsenen Roman.

Du bist Autorin, Texterin und Mutter. Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei Dir aus?

Ich stehe um halb 6 Uhr auf, schicke Mann und Kinder aus dem Haus und sitze normalerweise ab ungefähr halb 8 Uhr am Schreibtisch. Dann schaue ich meine E-Mails durch und werfe einen Blick auf Twitter, bevor ich meine To-Do-Liste durchgehe, um zu sehen, was für den Tag oder in nächster Zeit anliegt. Wenn nichts anderes, wie Arzttermine, Telefonate oder ähnliches, geplant ist, verbringe ich den Vormittag mit Schreiben, Recherche – viiiiel Recherche; das bleibt bei historischen Romanen einfach nicht aus –, Überarbeiten oder allem, was ich grob als Weiterbildung bezeichnen würde, etwa Online-Kurse oder das Lesen von Schreibratgebern oder Blogs. Die Nachmittage sind meist weniger strukturiert, je nachdem, was bei meinen Kindern ansteht. Ich schaue immer mal wieder in meine E-Mails oder auf Twitter vorbei, aber konzentriertes Arbeiten ist da kaum möglich. Eventuell kann ich hie und da ein Stündchen fürs Schreiben abzwacken. Abends mache ich normalerweise nichts mehr, es sei denn, ich habe einen Termin im Nacken. Ich gehe dann lieber früh schlafen – um 21 Uhr ist Zapfenstreich – und erledige die Sachen am nächsten Tag.

Schreibst Du jeden Tag?

Jein. Ich schreibe jeden Tag, aber es ist nicht immer buchbezogenes Schreiben, auch wenn es doch irgendwie mit meinem Alltag als Autorin zu tun hat.

Englische Autoren werden gerne gefragt, ob sie „Plotter“ oder „Pantser“ sind, also Planer oder Bauchschreiber. Zu welcher Fraktion gehörst Du?

Plotter! Ohne Plan gehe ich verloren. Ich benutze die Schneeflocken-Methode von Randy Ingermanson, um meine Romane bis in die Kapitelinhalte zu planen. Das bedeutet allerdings auch, dass ich nicht geradlinig schreiben muss. Wenn ich also in einem Kapitel, einer Szene nicht weiterkomme, schreibe ich einfach an einer anderen Stelle weiter, an die meine Charaktere früher oder später ankommen werden.

Viele Autoren schwören auf Kaffee beim Schreiben. Welche Geheimmittel bringen Dich durch lange Schreibphasen?

Literweise Tee, meist Kräutertee. Wenn es ganz arg mit dem Schreiben steht oder es einfach bloß schweinekalt ist – mein Büro liegt direkt unter dem Dach und kann im Winter trotz Heizung ziemlich frostig sein –, dann muss es auch mal ein Schwarztee mit viel Milch sein. Ich nehme immer nur eine Tasse mit ins Büro, damit ich für die nächste Tasse aufstehen und zwei Etagen tiefer in die Küche gehen muss. So bekomme ich trotz langer Schreibphase zumindest ein wenig Bewegung.

Welche Themen oder Zeiten interessieren Dich beim Schreiben am meisten? Worüber würdest Du niemals schreiben?

Vor allem sprachrelevante historische Begebenheiten finde ich interessant. So treffen in Das bretonische Mädchen beispielsweise vier Nationen aufeinander, die sich nicht nur in ihrer Sprache unterscheiden. Das englische Mittelalter finde ich selbstverständlich insgesamt eine faszinierende Zeit. Ich würde auch gerne einen Roman schreiben, der im französischen Mittelalter spielt. Davon gibt es so wenige hier in Deutschland, wie ich finde. Oder sie verstecken sich gut.

Erotik ist so ein Knackpunkt bei mir, wo sich meine Feder sträubt. Ich belasse es bei Andeutung, die auf vorhergehende oder folgende Intimitäten hinweisen, aber sämtliche Details im Text auszuwalzen, liegt mir nicht. Solche Passagen überfliege oder überblättere ich auch in Romanen, die ich lese, da sie nichts zur eigentlichen Geschichte beitragen.

Von welcher historischen Persönlichkeit könntest Du Dir vorstellen, dass sie in Deinen Büchern auftaucht? Oder ziehst Du fiktive Charaktere vor?

Alle historischen Persönlichkeiten, die ich für meine Geschichten brauche, werden auch mitreingenommen. Ob sie eine tragende Rolle erhalten, steht auf einem anderen Blatt.

Fiktive Charaktere haben schon ihre guten Seiten, da man sie frei nach eigenem Gutdünken gestalten kann und sich nicht an historische Vorgaben halten muss. 

Woher nimmst Du die Ideen für Deine Bücher? Fallen Dir die spontan ein oder hast Du eine Sammlung, aus der Du schöpfen kannst?

Manchmal spontan, manchmal aus gegebenem Anlass. Die Idee zu meinem Roman Das bretonische Mädchen stammt beispielsweise von einer Aussschreibung für eine Anthologie. Ich werfe daher immer mal wieder einen Blick auf Schreibwettbewerbe und Ausschreibungen, um neue Ideen für Bücher zu bekommen.

Hast Du schon einmal überlegt, ein Buch mit einem Mann als Protagonist zu schreiben?

Schuldig, Euer Ehren. Sowohl Protagonist als auch die meisten Nebenfiguren in Das bretonische Mädchen und dessen Nachfolger sind überwiegend Männer. Für den dritten Roman überlege ich, ob ich nicht vielleicht eine weibliche Hauptfigur wählen könnte.

In meiner Schublade befindet sich übrigens ein Roman, in dem gleich mehrere Frauen die Geschichte dominieren, aber ob ich diesen Roman je veröffentliche, steht noch in den Sternen. Es hat unheimlich Spaß gemacht, den Roman zu entwickeln und zu schreiben, aber ein Lektor hat in seinem Exposé-Gutachten kein gutes Haar an der Geschichte und den Figuren gelassen. Ob zu Recht oder zu Unrecht, werde ich wahrscheinlich nie erfahren.

Hast Du literarische Vorbilder? Wenn ja, wen?

Ich möchte keinem in seinem Schreibstil nacheifern und habe auch keinen Lieblingsautor, dessen Bücher ich automatisch kaufe.

Welches Buch liegt aktuell auf Deinem Lesestapel?

Oha. Der ist im Moment ziemlich hoch, obwohl ich gerade zwei Bücher abgearbeitet habe (Joanna Penn: How to make a living with your writing und Jonathan Stroud: Bartimäus – Der Ring des Salomo). An Belletristik liegen dort zwei Bücher von Julia Kröhn, deren Meisterin der Runen mir so gut gefallen hat, dass ich mir noch zwei weitere Bände von ihr gekauft habe: Kinder des Feuers und Tochter des Nordens, die beide im 10. Jahrhundert in der Normandie spielen. Dann gibt es auch noch drei Sachbücher: Stephen Kings On Writing, den Klassiker unter den Sprechtrainern in Buchform: Die Kunst der Sprache. Der kleine Hey, und Trevor Youngs MicroDOMINATION, das sich mit dem Aufbau der eigenen Marke durch Soziale Medien und Content Marketing befasst.

Was findest Du beim Schreiben eines Textes am schwierigsten?

Beschreibungen. Wenn es nach mir ginge, bestünden meine Texte nur aus Action und Dialog. Meine Entwürfe sehen daher immer eher nach Theaterstück als nach Roman aus.

Was stört Dich am meisten am Autorendasein? Was genießt Du besonders?

Autor zu sein, wird immer noch belächelt, wenn man nicht gerade zu den großen Namen gehört, die sechsstellig und mehr mit ihren Büchern verdienen. Außerdem wird es immer schwieriger, überhaupt noch einen anständigen Preis für Bücher zu bekommen. Wenn ich sehe, für welche abenteuerlichen Preise manche Autoren ihre Werke verschleudern, wird mir schlecht. Es steckt ja im Allgemeinen eine ganze Menge Arbeit und Engagement hinter so einem Buch. Aber mit Bücher-Flatrates und ständigen Sonderangeboten sind Leser heutzutage gewöhnt, dass sie Bücher fast kostenlos bekommen. Das Problem kennen andere Kreative sicher auch zur Genüge: Jeder will lesen, Musik hören, Filme schauen oder Bilder und Fotos bewundern, aber es darf nur nichts kosten oder auf alle Fälle nicht zuviel. Schließlich ist das ja Unterhaltung und kein echter Beruf. Das betrifft auch verwandte Berufe wie Texter, Übersetzer, Lektoren.

Schön ist, dass ich mir die Zeit frei einteilen kann – der Vorzug, wenn man bei einem kleinen Verlag ist und keinen Termindruck hat – und selbst entscheiden kann, was ich schreibe. Und natürlich, dass ich mit etwas, das mir wichtig ist, Geld verdienen kann.

Die Bücherwelt dreht sich immer schneller. Manche Autoren bringen vier bis sechs Bücher pro Jahr auf den Markt. Einen Roman in 30 oder 60 Tagen zu schreiben, wird überall als machbar angepriesen. Siehst Du dieser Entwicklung gelassen entgegen oder fühlst Du Dich dadurch unter Druck gesetzt?

Ich behaupte einfach mal, dass man einen historischen Roman, der ohne Recherchelöcher und detailgetreu vorliegt, weder in 30 noch in 60 Tagen schreiben kann. Von daher läuft diese Hektik ohnehin an mir vorbei. Klar, die Anzahl Leser historischer Romane nimmt stetig ab, genauso wie die Aufmerksamkeitsspanne in den Zeiten der Digitalisierung, wo alles immer schneller gehen muss, aber wer sich für das Genre interessiert, wird kaum erwarten, dass ein Autor historischer Romane quartalsweise ein neues Buch herausbringt. Wozu also die Eile? Allerdings suche ich immer nach Möglichkeiten, die Zeit bis zum nächsten Roman durch andere, kleinere Texte zu überbrücken.

Wenn Du anderen Nachwuchsautoren einen Rat geben solltest, welcher wäre das?

Es ist wie mit anderen Berufen auch: Wer meint, dass das Schreiben für ihn das Richtige ist, der sollte es trotz immer wiederkehrender Hiobsbotschaften tun. Man wählt ja normalerweise seinen Beruf auch nicht nach rein wirtschaftlichen und nutzenorientierten Gesichtspunkten, sonst hätten wir mittlerweile nur noch Naturwissenschaftler und IT-Fachkräfte. Es findet sich immer irgendwo eine Nische, in die man hineinpasst.

Im Mai 2019 ist Dein Debütroman, Das bretonische Mädchen, erschienen. Trotz des Titels spielt das Buch weder in der Bretagne noch gibt die Titelheldin die Erzählperspektive vor. Wie kommt’s?

Eigentlich war das der Arbeitstitel, aber der Verlag hat ihn übernommen. Dass ich diesen Titel gewählt habe, liegt daran, dass das bretonische Mädchen die Schlüsselfigur der ganzen Geschichte ist. Obwohl nicht aus ihrer Sicht erzählt wird, fand ich den Titel daher passend. Protagonist ist allerdings Roger, ein junger Anglonormanne, der in der Zeit nach der Eroberung Englands durch die Normannen aufwächst.

Woran arbeitest Du gerade und was sind Deine nächsten Projekte?

Im Moment überarbeite ich den Nachfolger von Das bretonische Mädchen, der allerdings zeitlich vor den Geschehnissen liegt, ganz in der Tradition von Star Wars: Erst die Gegenwart, dann die Vergangenheit. Ich mache mir auch schon Notizen für den dritten Band, der ebenfalls mit den Ereignissen dieser beiden Bücher zusammenhängen soll, diesmal aber zeitlich nach Das bretonische Mädchen angesiedelt. Damit hätte ich dann eine schöne Trilogie zusammen und kann mich neuen Themen widmen. Wie gesagt, würde ich gerne etwas aus dem französischen Mittelalter wählen, aber Genaueres habe ich noch nicht geplant.

Um mich vor dem Überarbeiten zu drücken – Stichwort: Prokrastination –, arbeite ich auch noch an meiner ersten Veröffentlichung im Self-Publishing. Dabei handelt es sich um einen Ratgeber für Nachwuchsautoren, die Hilfe auf dem schreiberischen, technischen und bürokratischen Weg von der Buchidee bis zur Veröffentlichung und darüber hinaus brauchen. Wenn es soweit ist, erscheinen Einzelheiten natürlich umgehend in meinem Newsletter und auch hier auf der Website.